Kommentar zur Volksabstimmung
Mit und ohne Brexit ist die Volksabstimmung eine Zäsur

Zusammenstöße typisch britischer Subkultur und eigensinnigen Denkens von der Insel mit dem übrigen Europa hat es häufiger geben. Legendär ist etwa die britische Punkband "The Clash". Die Jungs von "Der Zusammenprall" haben in den 1980er Jahren Generationen junger Europäer inspiriert - ohne dass diese oder die Briten nachhaltigen Schaden genommen hätten. Im Gegenteil: Heute steht diese Generation erfolgreich in den europäischen Gesellschaften beiderseits des Ärmelkanals ihre Frau beziehungsweise ihren Mann.

Es wäre ein Erfolg, wenn in 30 Jahren ähnlich über den Versuch eines Teil der britischen Politik gedacht würde, per Volksabstimmung einen Brexit zu erzwingen. Nüchtern betrachtet verschafft ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union ohnehin keinem Vorteile. London könnte allenfalls ähnliche Handelsbedingungen mit der EU erreichen wie die Schweiz, hätte aber keine Mitsprache mehr. Ein hoher Preis für einen vermeintlichen Freiheitsgewinn.

Allein wäre Großbritannien deutlich schlechter für die Stürme der Globalisierung gerüstet. Dasselbe gilt für eine EU ohne die Briten. Doch nüchterne Betrachtung zählt in diesen Tagen wenig. Emotionen geben den Ton an. Ein schlechter Ratgeber bei Volksabstimmungen.

Noch rätseln die Briten wie "The Clash" in ihrem Song "Should I Stay or Should I Go", ob sie gehen oder bleiben sollen. Liebeswerben in beide Richtungen hat es reichlich gegeben. Unabhängig davon wie die Abstimmung an diesem Donnerstag ausgehen wird, kann es in der Europäischen Union kein "Weiter so" geben. Europa muss eine Debatte darüber führen, wozu die Zusammenarbeit dienen soll und wie Europa seine Rolle definiert, mit London oder ohne.

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E-Mail an den Autor: alexander.pausch@derneuetag.de
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