Kommentar zur Wahlanfechtung der FPÖ in Österreich
Misstrauen als Munition für den Wahlkampf

Es gibt dieses Misstrauen gegen "die da oben", gegen die Politik, gegen die Justiz, gegen den Staat im Allgemeinen. Dieses Gefühl treibt die Menschen derzeit scheinbar um wie nie. In den USA, wo Donald Trump mit seinen dumpfen Parolen zunehmend erfolgreich an der Tür des Weißen Hauses klopft. In Deutschland, wo die AfD mit Fremdenfeindlichkeit in einen Landtag nach dem anderen einzieht. Und in Österreich, wo die FPÖ mit ihrem Anti-EU-Kurs Erfolge feiert.

Nun hat es in Wien nicht ganz zum Bundespräsidentenamt gereicht. Hauchdünn ist Norbert Hofer für die Rechtspartei gescheitert. Dass die FPÖ nun gegen den verlorenen Einzug in die Hofburg klagt, ist ihr gutes Recht. Es befeuert aber gleichwohl die tiefsitzenden Vorbehalte gegen das Establishment. "Da kann was nicht stimmen, die betrügen uns": Volkes Stimme wittert eine Verschwörung.

Alexander Van der Bellen, ein Ex-Grüner als Bundespräsident: Da schmeckt vielen Österreichern der "Braune" im Beisl nicht mehr, der "Paradeiser" bleibt im Halse stecken. In 94 von 117 Wahlbezirksämtern will die FPÖ Fehler bei der Stimmenauszählung entdeckt haben. Für Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen.

Mit ihrer Klage vor Gericht haben die Rechtspopulisten ihr Klientel bedient und es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Ob sie Van der Bellen vor Gericht stoppen können, ist mehr als fraglich. Und zweitrangig. Die FPÖ hat ohnehin ein anderes Ziel: das Kanzleramt, die "richtige" Macht. Dort sitzt seit drei Wochen der Sozialdemokrat Christian Kern, ehemaliger Bahn-Chef. Die FPÖ wird ihm bis zur Nationalratswahl ordentlich Dampf machen.

frank.werner@derneuetag.de
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