Kommunalwahlen in Italien
Wink aus der ewigen Stadt

Sie ist die künftige Bürgermeisterin von Rom: Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Bewegung hat die Stichwahlen für sich entschieden. Während einer Pressekonferenz winkt sie vor der gemalten Silhouette Roms. Bild: dpa

Die Geschicke von Rom liegen künftig in weiblichen Händen. Für die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo ist es eine historische Nacht - sehr zum Leidwesen von Regierungschef Renzi.

Rom. Mit dem Sieg ihrer Bürgermeister-Kandidatinnen in Rom und Turin hat die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung einen Triumph in Italien erzielt. Zugleich werteten viele Kommentatoren den Ausgang der zweiten Runde der Kommunalwahlen als herbe Niederlage für Ministerpräsident Matteo Renzi und seine Mitte-Links-Regierung. Bis in die frühen Morgenstunden feierten Anhänger der Protestbewegung "Movimento 5 Stelle" (M5S) ihren Sieg. Die Hauptstadt Rom bekommt zum ersten Mal eine Bürgermeisterin: Viriginia Raggi fuhr mit mehr als zwei Drittel der Stimmen einen haushohen Sieg vor dem Kandidaten von Renzis Partito Democratico (PD), Roberto Giachetti, ein. Die 37 Jahre alte Rechtsanwältin, die sich etwa gegen die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 in Rom gewandt hatte, sprach laut der Nachrichtenagentur Ansa von einem "historischen Moment".

Auf die Siegerin wartet keine leichte Aufgabe: Die hoch verschuldete Ewige Stadt gilt als nahezu unregierbar und leidet schon lange unter Korruption, Dreck, Smog und verstopften Straßen. Auch der Gründer des M5S, der einstige Star-Kabarettist Beppe Grillo, bejubelte den Wahlerfolg Raggis und den überraschenden Sieg der 5-Sterne-Kandidatin in Turin: "Es ist ein historischer Tag, von heute an ändert sich alles. Jetzt sind wir dran. Und das ist erst der Anfang", schrieb er noch in der Nacht in seinem Blog. Landesweit waren die Fünf Sterne laut Ansa bei 19 von 20 Stichwahlen, zu denen sie angetreten waren, erfolgreich. In Turin machte die erst 31 Jahre alte M5S-Kandidatin und Unternehmerin Chiara Appendino den Doppelerfolg auf Großstadtebene perfekt. Sie setzte sich gegen den amtierenden Bürgermeister und PD-Kandidaten Piero Fassino durch. Eine schmerzhafte Niederlage musste auch Renzis Mann in Triest einstecken - hier gegen den von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi unterstützten Kandidaten.

Ohne mildernde Umstände


Einziger Lichtblick bei den Stichwahlen in Großstädten war für den Regierungschef der Ausgang in Mailand und Bologna, wo sich seine Kandidaten durchsetzen konnten. In der norditalienischen Finanzmetropole Mailand gewann Giuseppe Sala, der Chef der im Oktober zu Ende gegangenen Weltausstellung, gegen Stefano Parisi vom Mitte-Rechts-Lager. Bei der PD begann sogleich das Wundenlecken. In einer Mittelung sprach die Partei von einer "klaren Niederlage ohne mildernde Umstände" in Turin und Rom. Dagegen habe man deutliche Siege in Mailand und Bologna eingefahren.

Immer wieder hatte Renzi betont, dass die Kommunalwahlen stark lokal beeinflusst und keine Abstimmung über die Regierung seien. Als eigentliche Bewährungsprobe rückt nun für ihn ein wichtiges Verfassungsreferendum in den Blickpunkt. Es dürfte im Oktober über seine politische Zukunft entscheiden. Die Wahlbeteiligung lag mit 50,5 Prozent etwa zehn Prozentpunkte unter der vom ersten Durchgang. Landesweit waren fast neun Millionen Wähler aufgerufen.
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