Konservative verlieren absolute Mehrheit
Spanien vor neuer Ära

Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy bei der Wahl. Bild: dpa

Madrid. Nach drastischen Stimmenverlusten für die traditionellen Großparteien der Konservativen und der Sozialisten steht Spanien vor einer schwierigen Regierungsbildung. Die Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy behauptete sich bei der Parlamentswahl am Sonntag zwar als stärkste Kraft. Sie büßte aber etwa ein Drittel ihrer Sitze ein und blieb weit unter der 2011 erreichten absoluten Mehrheit.

Die Sozialisten (PSOE) wurden von den Wählern ebenfalls abgestraft und erzielten ihr schlechtestes Ergebnis seit der Rückkehr Spaniens zur Demokratie nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975). Die vorweihnachtliche Abstimmung leitete zudem eine neue Ära in der spanischen Politik ein: Erstmals in der jüngeren Geschichte werden vier Parteien mit starken Fraktionen im Parlament vertreten sein - die neue Linkspartei Podemos (Wir können) und die liberalen Ciudadanos (Bürger) zogen erstmals in den "Congreso" ein.

Nach Auszählung von rund 80 Prozent der abgegebenen Stimmen holte die PP rund 123 der insgesamt 350 Sitze, 63 weniger als vor vier Jahren. Sie erhielt 28,4 Prozent der Stimmen. Die PSOE von Oppositionsführer Pedro Sánchez erhielt demnach 92 Mandate (22,4 Prozent), 18 weniger als 2011. Sie hatte damals ihr schlechtestes Ergebnis in der jüngeren Geschichte erzielt und fiel nun noch dahinter zurück. Podemos mit dem Politik-Dozenten Pablo Iglesias an der Spitze, dessen Pferdeschwanz zu seinem Markenzeichen geworden ist, kam demnach auf 68 Sitze (20,5 Prozent). Die liberalen Ciudadanos mit ihrem Parteichef Albert Rivera, die viele Spanier eher der rechten Mitte zuordnen, errangen 38 Mandate (13,6 Prozent). Damit blieben sie weit hinter den Erwartungen zurück.

Zur Regierungsbildung dürften komplizierte Koalitionsverhandlungen notwendig sein. Weder ein Mitte-Rechts-Bündnis der PP mit den Ciudadanos noch eine Linksallianz von PSOE und Podemos käme auf eine absolute Mehrheit. Im Wahlkampf hatte keine der großen Parteien Hinweise darauf gegeben, mit wem sie nach der Wahl ein Regierungsbündnis eingehen würde.
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