Konservativer Politiker neuer argentinischer Präsident - Jahrzehnt linkspopulistischer Politik ...
Unternehmersohn beerbt Kirchner

Der neue argentinische Präsident Mauricio Macri lässt sich von seinen Anhängern feiern. Bild: dpa
(dpa/epd) Argentinien steht nach dem Sieg des konservativen Oppositionsführers Mauricio Macri bei der Präsidentenwahl vor einem Richtungswechsel. Der 56 Jahre alte Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires setzte sich am Sonntag mit 51,4 Prozent der Stimmen gegen den Kandidaten der Links-Regierung, Daniel Scioli, durch, der nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis in der Stichwahl auf 48,6 Prozent kam.

81 Prozent Wahlbeteiligung

Macri löst die linkspopulistische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ab, die im zweitgrößten Land Lateinamerikas seit 2007 an der Macht ist. Sie durfte nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren. Zuvor hatte ihr im Jahr 2010 verstorbener Mann Néstor das Land von 2003 bis 2007 regiert. Die Wahlbeteiligung lag bei 81 Prozent. Scioli (58) gestand seine Niederlage noch in der Wahlnacht ein. Kirchner lud Macri für heute zu einem Gespräch ein. Die Amtsübergabe ist am 10. Dezember. "Dies ist ein historischer Tag, ein Epochenwechsel, der uns eine Zukunft des Wachstums und Fortschritts bringen wird", sagte Macri, der für das Mitte-Rechts-Bündnis Cambiemos ("Lasst uns verändern") antrat. Sein Ziel sei, "ein Argentinien mit null Armut aufzubauen, den Drogenhandel zu besiegen und alle Argentinier zu einen."

Zugleich warnte Macri: "Revanchen oder Abrechnungen dürfen diesen Wandel nicht aufhalten." Im Gegensatz zu den vorherigen linken Regierungen setzt er sich für mehr Marktwirtschaft und weniger Einfluss des Staates ein. So will er Geldgeber anlocken, um die Wirtschaftsprobleme der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas zu überwinden. Und er will ein Freihandelsabkommen von Mercosur und EU.

Macri hat im Parlament keine Mehrheit. Er kündigte an, einen Regierbarkeitspakt mit allen auszuhandeln. Der Kampf gegen Armut und Drogenhandel sowie die Stärkung der demokratischen Institutionen würden die Grundlage für eine gemeinsame Agenda bilden. Allerdings erlitt der gewählte Präsident am Montag einen ersten Rückschlag. Der Chef der Zentrumspartei UCR, Ernesto Sanz, sagte, er werde sich zurückziehen. Sanz hatte mit Macris Partei PRO eine Koalition gebildet.

Wirtschaftsimperium

Macris Vater Franco wanderte in den 1940er Jahren mittellos aus Italien nach Argentinien ein. In den darauffolgenden Jahren schuf er, teils mit rabiaten Methoden, eines der größten Wirtschaftsimperien des Landes, mit Baufirmen und Industriezulieferern. Der Sohn studierte Ingenieurswesen und arbeitete in den 1990ern im elterlichen Unternehmen. Landesweit bekannt wurde der begeisterte Sportler als Präsident des größten Fußballclubs Boca Juniors (1995-2007). Bei dem Club kickte einst Diego Maradona.
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