Kontingente sind ein anderes Wort für Obergrenzen

Kontingente sind die neue Zauberformel, mit der Angela Merkel und andere die Flüchtlingskrise managen wollen. Mit der Türkei und den übrigen EU-Staaten will die Kanzlerin eine Verteilung aushandeln. So soll der Flüchtlingstreck wenn schon nicht gestoppt, so doch zumindest verkleinert werden.

Der Vorschlag hätte Charme, wenn er nicht so spät kommen würde. Kontingente bieten die Möglichkeit auszuwählen: etwa besonders Schutzbedürftige, wie Frauen und Kinder, oder verfolgte Minderheiten, wie Christen, oder aber Flüchtlinge, die Verwandte in Europa haben. Selbst Letzteres hat Schwarz-Rot bei seinem zögerlichen Aufnahmeprogramm für 20 000 Syrer 2013 erst spät und auf Druck berücksichtigt. Dabei ist der Vorteil der Kontingente, dass Flüchtlinge mit Visum kommen, und nicht Schlepper zahlen.

Kontingente bedeuten aber auch Obergrenzen. Und sie beantworten nicht die Frage: Wie lassen sich Flüchtlinge, die nicht ausgewählt wurden, davon abhalten zu kommen? Bisher gilt: Für die Syrer ist der Schrecken des Krieges schlimmer als alle Strapazen auf dem Weg nach Europa.

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