Kraftfahrtbundesamt stellt VW Ultimatum

Mit Pinocchio-Figuren und Bannern mit der Aufschrift "Schluss mit Lügen!" protestierten am Freitag Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Tor Sandkamp vor dem VW Werk in Wolfsburg. Bild: dpa

Ob VW, Audi oder Skoda - Besitzer von Diesel-Fahrzeugen sind nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen verunsichert. Der Konzern sagt die kostenfreie Nachbesserung zu.

Volkswagen wird die vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselautos auf eigene Kosten nachbessern. "Das kann eine Rückrufaktion sein, aber auch eine Serviceaktion." Betroffen sind nach VW-Angaben weltweit elf Millionen Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Das Unternehmen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen vorgestellt werden sollen, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg.

Aus dem Bundesverkehrsministerium hieß es am Sonntag, das Kraftfahrtbundesamt habe Volkswagen aufgefordert, bis zum 7. Oktober einen verbindlichen Zeitplan vorzulegen, bis wann die Fahrzeuge ohne Manipulationssoftware die Abgas-Verordnung einhalten können. Auch andere Länder erhöhen den Druck: In der Schweiz und Belgien wird der Verkauf der Autos mit dem Motor EA 189 gestoppt, Italien kündigte Messungen an. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kündigte einen Kurswechsel bei den Abgasmessungen an. Es müsse "im realen Fahrbetrieb gemessen werden, was aus dem Auspuff rauskommt", sagte sie dem "Handelsblatt" (Montag).

Unterdessen versucht Volkswagen zu klären, wer wann vom Einsatz der betrügerischen Software gewusst hat. "Wir ermitteln auf Hochtouren und werden die Ergebnisse, sobald wir sie haben, bekanntgeben", sagte VW-Sprecher Peter Thul. Verantwortliche bei VW haben offenbar schon vor Jahren Kenntnis von der rechtswidrigen Software gehabt. Das legt ein Bericht der internen Revision nahe. So habe 2011 ein Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Software einen Rechtsverstoß darstellen könnte, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Der Prüfbericht sei dem Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am Freitag vorgelegt worden. Er gebe aber keine Antworten, warum die Warnung versandet sei. Sollte Managern nachgewiesen werden, dass sie direkt verwickelt sind, müssten sie mit strafrechtlichen Konsequenzen und Schadenersatzforderungen rechnen. Der bisherige VW-Chef Martin Winterkorn war am Mittwoch zurückgetreten, sein Nachfolger wurde Matthias Müller.

Volkswagen wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren. Die "Bild am Sonntag" berichtete, der Zulieferer Bosch habe 2007 in einem Schreiben an den VW-Konzern vor einer illegalen Verwendung seiner Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt. Bosch habe die Software an VW geliefert, die nur für Testzwecke und nicht für den normalen Fahrbetrieb vorgesehen gewesen sei. Bosch äußerte sich am Sonntag nicht dazu. "Wir sind gegenüber VW zu Vertraulichkeit verpflichtet." (Seite 17)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.