Krieg in Syrien
Bundesregierung wirft Regime "Barbarei" vor

Syrische Truppen haben im Norden der Stadt Aleppo laut eigenen Angaben die Kontrolle über das ehemalige Terroristen-Camp Handarat zurückerobert. Großteile der Metropole liegen mittlerweile in Trümmern. Bild: dpa

Seit Tagen erlebt Aleppo die schwersten Bombenangriffe seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien. Aktivisten beschreiben die Lage als katastrophal. Ein Ende der heftigen Angriffe ist nicht in Sicht.

Aleppo/Berlin. Nach dem bislang schwersten Bombenhagel auf die nordsyrische Stadt Aleppo hat die Bundesregierung dem Regime in Damaskus "Barbarei" vorgeworfen. "Wir erwarten von russischer Seite mit Blick auf eine Einstellung der Kampfhandlungen endlich Bewegung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Worte allein helfen den Menschen in Aleppo nicht." Moskau sei angesichts seiner substanziellen militärischen Unterstützung des syrischen Regimes in der Verantwortung.

Kampfjets flogen am Montag erneut Dutzende Luftangriffe auf Aleppo und andere Teile des Landes. Dabei wurden mindestens drei Zivilisten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Einwohner aus Aleppos Rebellengebieten berichteten über eine größere Anzahl Opfer. "Die Angriffe haben am Montag jedes einzelne Viertel im Osten Aleppos getroffen", sagte der Aktivist Baha al-Halabi. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge musste eine Klinik nach Luftangriffen in der Gegend ihre Arbeit einstellen. Patienten müssten in überfüllten Krankenhäusern im Osten Aleppos auf dem Fußboden operiert werden.

Hilfsorganisationen entluden unterdessen Konvois in den von Regierungstruppen belagerten Orten Madaja und Sabadani sowie in den Orten Fua und Kefraja, die von Rebellen abgeriegelt werden. Lastwagen hätten Nahrung und andere Güter für rund 60 000 Menschen geliefert, teilte die Organisation Syrisch-Arabischer Roter Halbmond mit. Nach Angaben des Welternährungsprogramms WFP sind es die ersten Hilfskonvois für diese Orte seit April. (Kommentar)

Preis für "Caesar"Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 geht an die "Gruppe Caesar". Dabei handle es sich um einen ehemaligen syrischen Militärfotografen, der mit seinen Mitstreitern unzählige Fotos von Folteropfern aus syrischen Gefängnissen veröffentlicht habe, teilte die Stadt Nürnberg am Montag mit. "Caesar" lebe seit August 2013 in einem Versteck und werde die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung im September 2017 daher nicht persönlich entgegennehmen können. Die von ihm kopierten Aufnahmen seien im Internet veröffentlicht worden. "Caesar" sei es darum gegangen, die Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, damit sie nicht ungestraft blieben. (KNA)
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