Krieg in Syrien
Gibt es noch Hoffnung für Aleppo?

Aleppo ist zum Symbol für den Krieg in Syrien geworden. Bei heftigen Gefechten um die belagerte Stadt im Norden des Landes sind am Dienstag Dutzende Menschen getötet worden. Kämpfer unter der Führung islamistischer Gruppen versuchen, neue Versorgungswege in den Ostteil der Stadt zu schlagen und greifen die Regierungstruppen von außen an. Grafik: dpa

Damaskus. Schwarze Schwaden ziehen über die Zitadelle von Aleppo hinweg, die sich auf einem kleinen Hügel aus der Stadt erhebt. Wie von kleinen Inseln steigt der dichte Rauch aus dem Ostteil der ehemaligen Handelsmetropole Syriens auf. Bewohner zünden Müll und Autoreifen auf den Straßen an, um sich mit dem Rauch vor Luftangriffen zu schützen. Videos im Internet zeigen Kinder, die neues Brennmaterial heranschleppen. Ein Schleier liegt über den belagerten und von Rebellen gehaltenen Vierteln Aleppos.

"Eine reine Lüge"


"Die humanitären Korridore sind eine Lüge", sagt Kenan, der in Aleppo wohnt. Dort, wo nur Betonbrocken zwischen Häuser-Gerippen liegen, soll einer der Fluchtwege sein, die die syrische Führung zusammen mit ihrem Verbündeten Russland eingerichtet haben will. Nach russischen Angaben sollen mehr als 400 Menschen bereits das Fluchtangebot angenommen haben. "Diese Initiative ist eine reine Lüge", sagt er. Aleppo, diese ehemals wichtige Handelsmetropole im Norden Syriens, ist ein Sinnbild für den Bürgerkrieg im Land. Verschiedenste Rebellengruppen - von moderaten Aufständischen bis hin zu Dschihadisten mit Verbindungen zu Al-Kaida - kämpfen dort gegen Machthaber Baschar al-Assad und seine Verbündeten.

Täglicher Beschuss


Die Stadt steht seit 2012 fast unter täglichem Beschuss durch Artillerie, Luftangriffe und international geächtete Fassbomben. Vor gut zwei Wochen kappte das syrische Militär die letzte Versorgungsroute der Aufständischen. Seitdem sind nach UN-Schätzungen fast 300 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. "Die Menschen leben von dem, was sie gehortet haben", erzählt der 32-jährige Abdullah. "Einige haben noch Reis und Bulgur, auf dem Markt kann man noch Minze und Petersilie kaufen, weil das in der Stadt angebaut wurde."

Der Direktor des Zentrums für Nahost-Studien an der Universität von Oklahoma, Joshua Landis, hält den Ausgang der Kämpfe in Aleppo auch zentral für den weiteren Verlauf des Krieges in ganz Syrien. "Die Rückeroberung von Aleppo passt in Assads Strategie um ein 'nützliches Syrien' zu halten." Damit sei die Kontrolle über die vier größten Städte des Landes gemeint: Damaskus, Aleppo, Homs und Hama, in denen mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung lebt.
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 08.08.2016 | 10:59  
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