Krieg in Syrien
Spannungen zwischen Moskau und Washington wachsen

Papst Franziskus traf am Donnerstag im Vatikan Vertreter katholischer Hilfswerke, die im Nahen Osten tätig sind. Unter ihnen war auch der UNO-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura (links). Bild: dpa

Eine neue Waffenruhe in Syrien ist nur möglich, wenn sich Moskau und Washington einigen. Stattdessen machen sich beide gegenseitig Vorwürfe. Die Gewalt könnte weiter eskalieren, deshalb findet auch der Papst deutliche Worte.

Aleppo/Vatikanstadt. (dpa/KNA/epd) Nach der Gewalteskalation in Syrien nehmen die Spannungen zwischen den USA und Russland weiter zu. Der Kreml kritisierte Androhungen Washingtons, die russisch-amerikanischen Syrien-Gespräche abzubrechen, als ungeschickt. Die US-Regierung denkt zugleich einem Medienbericht zufolge darüber nach, ob als Reaktion auf die massiven Luftangriffe auf die nordsyrische Großstadt Aleppo Rebellen aufgerüstet werden sollten. Die heftigen Kämpfe und Luftangriffe gingen auch am Donnerstag unvermindert weiter. Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Die USA als Unterstützer gemäßigter Rebellen und Russland als wichtiger Verbündeter des syrischen Regimes machen sich gegenseitig für die Eskalation der Gewalt verantwortlich.

Nur noch 30 Ärzte


Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe vor rund zehn Tagen wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast 300 Menschen getötet. Unicef zufolge kamen seit Freitag 96 Kinder ums Leben, 223 wurden verletzt. In Aleppos Rebellengebieten gebe es nur noch 30 Ärzte.

US-Außenminister John Kerry hatte am Vortag von seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow gefordert, Russland solle seine Luftangriffe in Aleppo einstellen. Sonst würden die USA die Gespräche abbrechen. Russland ist beim Kampf um Aleppo nur zu zweitägigen Feuerpausen zur Versorgung der Zivilbevölkerung bereit.

Papst Franziskus hat unterdessen die Staatengemeinschaft zu größerem Einsatz für eine Friedenslösung in Syrien und im Irak aufgerufen. Den Konflikt zu beenden, liege "auch in den Händen des Menschen", sagte er am Donnerstag vor Vertretern katholischer Hilfswerke, die im Nahen Osten tätig sind. An der Begegnung im Vatikan nahm auch der UNO-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, teil. Die politisch Verantwortlichen mahnte der Papst, um des Friedens willen auf Sonderinteressen zu verzichten.

Franziskus geißelte die "Logik der Waffen" und "obskure Interessen", die für die anhaltende Gewalt verantwortlich seien. Zu den Konsequenzen der Krise und der andauernden Menschenrechtsverletzungen zähle auch die Flüchtlingsbewegung. Erneut beklagte er das Leiden der Zivilbevölkerung, besonders der Kinder. "Wir scheinen uns in einer ausweglosen Spirale aus Arroganz und Tatenlosigkeit zu befinden", beklagte er

Merkel spricht mit Erdogan


Angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan telefoniert. "Beide waren sich einig, dass Russland eine besondere Verantwortung zukomme, um die Gewalt zu beruhigen und damit einem politischen Prozess überhaupt noch eine Chance zu geben", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin.
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