Krisenmanagement "zu vorsichtig" und "nicht zupackend"
Kritik an de Maizière

Thomas de Maizière. Bild: dpa
Die Frage war so symptomatisch wie die Antwort auch: Wer eigentlich der "Flüchtlings-Chefkoordinator" der Regierung sei, wollte ein Journalist am Mittwoch bei der Bundespressekonferenz in Berlin wissen. "Das managt die Bundesregierung", sagte zunächst Vize-Regierungssprecher Georg Streiter. Schnell ergänzte der Sprecher des Innenministeriums: "Selbstverständlich laufen in unserem Hause die Fäden zusammen."

Viel Kritik hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in den letzten Tagen anhören müssen. Sein Agieren in der Flüchtlingskrise sei zu vorsichtig, passiv, nicht zupackend genug, heißt es nicht nur aus der Opposition. Vom Krisentreffen der EU-Innenminister kehrte er ohne konkretes Ergebnis zurück.

Während Angela Merkel (CDU) ein Image als Kanzlerin der Willkommenskultur aufbaute, blieb de Maizière im Schatten. Obwohl es sein Ministerium ist, das den Zuzug organisieren muss. Genau da hapert es - beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Über 250 000 Anträge stauen sich unbearbeitet. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt spricht von einem "Totalausfall".

In diesem Fall hat ein bürokratischer Mensch wie Thomas de Maizière ein Problem. Sympathie zu zeigen, überlässt er lieber der Kanzlerin. Lange Zeit galt der 61-Jährige, Sohn des früheren Bundeswehr-Generalinspekteurs Ulrich de Maizière und Vetter des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière, als enger Vertrauter oder gar als potenzieller Nachfolger der Kanzlerin. Dann aber kam die Flüchtlingskrise.
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Berlin (7520)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.