Kritik an Merkels Loyalitätsaufruf an Türkischstämmige
„Ohne Not“

Berlin. Die Integrations- beauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat den Loyalitätsaufruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Menschen mit türkischen Wurzeln kritisiert. Eine deutliche Mehrheit der Türkischstämmigen fühle sich "unserem Land zugehörig", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). "Wir sollten daher diesen Menschen nicht pauschal Loyalitätskonflikte unterstellen." Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf Merkel vor, "ohne Not eine gesamte Gruppe unter Generalverdacht" zu stellen. Kritik kam auch aus der Türkei.

Merkel hatte den "Ruhr-Nachrichten" (Dienstag) gesagt: "Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln. Dafür versuchen wir, für ihre Anliegen ein offenes Ohr zu haben und sie zu verstehen. Und dafür halten wir auch engen Kontakt mit den Migrantenverbänden."

Der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im türkischen Parlament, Mustafa Yeneroglu, nannte den Loyalitätsappell "Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten". "Die darin enthaltene Unterstellung ist unbegründet und kontraproduktiv. Sie entfremdet", erklärte der Erdogan-Vertraute. Die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßte das Gesprächsangebot der Kanzlerin.
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