Kuba erwartet Papst Franziskus: US-Embargo und Reformen beherrschende Themen - Wahlreform 2018?
Besuch im "besonderen Moment"

Katholiken müssen sich nicht mehr vor Verfolgung fürchten im sozialistischen Kuba. 17 Jahre nach dem berühmten Satz von Johannes Paul II. - "Möge Kuba sich der Welt öffnen und die Welt sich öffnen für Kuba" - passiert gerade das. Nur politisch Andersdenkende haben es weiter schwer. Was wird Papst Franziskus dazu sagen?

Olga Castañeda wird zum zweiten Mal in ihrem Leben einen Papst aus nächster Nähe sehen. Die 72-Jährige singt in einem Kirchenchor auf Kuba. Mit 140 anderen Frauen und Männern begleitet sie am Sonntag musikalisch die Messe von Franziskus auf Havannas berühmtem Revolutionsplatz. Schon einmal verfolgte die tiefgläubige Katholikin dort die Predigt eines Pontifex - Johannes Paul II.

Seinetwegen war damals Castañeda in den Chor eingetreten. "Kuba hat Glück gehabt", sagt heute die pensionierte Universitätsdozentin. Denn mit Franziskus empfängt der Karibikstaat bereits seinen dritten Papst nach Benedikt XVI. 2012. Castañeda war damals nicht in Havanna, nun setzt sie große Hoffnungen auf das erste lateinamerikanische Kirchenoberhaupt, der am Samstag in Kuba eintreffen wird. "Jedes Mal, wenn ein Papst kommt, geht es hier harmonischer zu", glaubt sie.

Vatikan will Liberalisierung

Franziskus reist am Samstag für vier Tage nach Kuba, anschließend in die USA. Der Vatikan hat sich vor der Reise für eine Aufhebung des US-Embargos ausgesprochen. "Die Position des Vatikans zu diesem Embargo ist bekannt, und es ist eine Position dagegen", sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Donnerstag dem Vatikan-TV Ctv. Obwohl Barack Obama die Sanktionen gelockert hat, können sie nur vom US-Kongress aufgehoben werden. Der Vatikan hoffe, dass eine "Liberalisierung der Beziehungen, vor allem auf wirtschaftlicher Ebene, auch zu einer Öffnung bei Frieden und Menschenrechten" führen könne, sagte Parolin.

"Der Papst kommt in einem besonderen Moment", sagt Roberto Vega, dessen Initiative für mehr Pluralität auf Kuba wirbt. Politische Reformen zeichnen sich ab. Bis 2018 ist eine Wahlreform angekündigt. "Vielleicht kann der Besuch von Papst Franziskus auch einen direkten Einfluss auf diese Veränderungen haben."
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