Künftiges Kabinett von Donald Trump
Investor Steven Mnuchin wird Finanzminister

Im Wahlkampf zählte die Finanzelite zu Donald Trumps Lieblingsfeinden. Jetzt macht der künftige US-Präsident ausgerechnet einen Finanzinvestor und Ex-Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs zum Finanzminister.

New York. "Ich lasse die Wall Street so einfach nicht davonkommen", hatte Trump im Wahlkampf gepoltert. Der New Yorker Geschäftsmann versprach, sich Banker und Finanzprofis vorzuknöpfen, denen viele US-Bürger noch immer die Verantwortung für die große Wirtschaftskrise nach dem Kollaps des Häusermarkts im Jahr 2007 geben. Der Crash hatte den USA die schlimmste Wirtschaftskrise seit der großen Depression der 1930er Jahre eingebrockt und die Armut drastisch steigen lassen. "Wir werden die Wall Street zur Rechenschaft ziehen", kündigte Trump damals an. Doch seit seiner Wahl sieht bei ihm vieles ganz anders aus - so auch sein Verhältnis zur Finanzwelt.

Keine Regierungserfahrung


Für den renommierten Posten des Finanzministers soll mit Steven Mnuchin ein langjähriger Wall-Street-Insider berufen werden. "Ich könnte mich nicht geehrter fühlen, dem künftigen Präsidenten zu dienen", sagte der 53-Jährige am Mittwoch Reportern in New York voller zur Schau gestellter Demut. "Erste Priorität" sei die Umsetzung von Trumps Steuerplänen, von denen laut Experten vor allem Superreiche profitieren dürften.

Der Wall Street will Mnuchin die Zügel abnehmen. Natürlich nur, damit kleinen und mittelständischen Unternehmen wieder mehr Kredite zur Verfügung stehen. Mit Mnuchin werden die Finanzen der größten Volkswirtschaft der Welt einem Mann anvertraut, der bislang als Hedgefonds-Manager und Investmentbanker von sich reden machte. Regierungserfahrung hat er keine - wie Trump. Besonders pikant ist Mnuchins Vorgeschichte als Mitarbeiter des Finanzinvestors George Soros und des Investmenthauses Goldman Sachs. Trump hatte die US-Bank zuvor heftig aufs Korn genommen: In einem Wahlwerbespot attackierte er Goldman und Soros - ein großzügiger Parteispender für die gegnerischen Demokraten - symbolhaft als Inbegriff eines "manipulierten Systems" der Vetternwirtschaft zwischen Wall Street und Washingtoner Politikbetrieb, das "unsere Arbeiterklasse ausgeraubt hat". Doch für eben dieses System steht der künftige Finanzminister. Mnuchin war besonders in die Kritik geraten, als er die Häuser von mehr als 35 000 Darlehensnehmern in der Finanzkrise versteigern ließ. Als Sohn eines Goldman-Sachs-Partners und Absolvent der US-Eliteuni Yale hat er eine klassische Oberschicht-Karriere durchlaufen.

Als Wall-Street-Insider ist Mnuchin kein Einzelfall in der Regierung Trump. Der Milliardär und Investor Wilbur Ross wird Wirtschaftsminister werden. Der Private-Equity-Spezialist zählt ebenfalls zur Finanzelite und hat mit seinen Deals ein Milliardenvermögen angehäuft. Sein Geschäftsmodell ist je nach Deutung das Ausschlachten oder Aufpäppeln kriselnder Firmen.

Wer wird Außenminister?


Spekuliert wird indes, wer den wichtigen Posten des Außenministers in Trumps Regierung antreten wird. Weiterhin wird Mitt Romney für das Amt gehandelt. Der Ex-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, der Barack Obama 2012 unterlag, traf sich am Dienstagabend erneut zu Gesprächen mit Trump - anschließend war er voll des Lobes für den künftigen Präsidenten. Ein Trump-Sprecher sagte am Mittwoch, es würden keine Kabinettsankündigungen mehr in dieser Woche folgen. Trump werde aus einer Liste mit vier Namen entscheiden. Es wird vermutet, dass es sich um diese Personen handelt: Mitt Romney (69), Rudy Giuliani (72, Ex-Bürgermeister von New York), David Petraeus (64, Ex-CIA-Direktor) und Bob Corker (64, Senator von Tennessee).
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