Kundus fällt an Taliban

Die Bundeswehr ist raus aus Kundus: 2013 übergaben die Deutschen das Feldlager an die Afghanische Armee (ANA) und die Afghanische Bereitschaftspolizei Ancop. Nun überrannten die Taliban die Provinzhauptstadt. Archivbild: dpa

Die Bundeswehr hat Kundus im Herbst 2013 verlassen. Nun erobern die Taliban die afghanische Provinzhauptstadt. Nur wenige Stunden brauchen sie, um Kundus unter ihre Kontrolle zu bringen.

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus haben die radikalislamischen Taliban mit einer überraschenden Offensive die nordafghanische Provinzhauptstadt überrannt. "Die Stadt ist unglücklicherweise an die Taliban gefallen", sagte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sedik Sedikki, am Montagabend in Kabul. Zahlen über Opfer lagen zunächst nicht vor. Regierungstruppen bereiten eine Gegenoffensive vor.

Die Extremisten hatten am Montagmorgen aus mehreren Richtungen mit dem Sturm auf die Stadt begonnen und sie bis zum Abend eingenommen. Ein Taliban-Kommandeur in Kundus-Stadt namens Mullah Usman sagte, mehr als 1000 Kämpfer hätten an der Offensive teilgenommen. Kundus ist die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde. Der Vizegouverneur der Provinz Kundus, Hamdullah Daneschi, sagte: "Die Taliban haben ihre weiße Flagge im Stadtzentrum gehisst." Daneschi wurde nach Berichten von Augenzeugen zum Flughafen gebracht, wohin viele der rund 300 000 Bewohner der Stadt geflohen waren. Der Flughafen war am Montagabend noch unter der Kontrolle der Regierung. Dort unterhalten die afghanischen Sicherheitskräfte Stützpunkte.

In der Nähe des Flughafens unterhielt die Bundeswehr bis vor ihrem Abzug vor knapp zwei Jahren ein Feldlager. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur in Kundus sagte, die Taliban hätten wichtige Zufahrtsstraßen zur Stadt abgeschnitten. Nach Angaben von Innenministeriumssprecher Sedikki traf am Flughafen Verstärkung ein. "Wir versuchen, die Stadt zurückzuerobern. Im Moment können wir keine Opferzahlen bestätigen." Die Taliban hätten das Gefängnis in Kundus gestürmt und mehr als 600 Häftlinge befreit. Darunter seien 144 Taliban-Kämpfer gewesen, fügte er an.

Die Nato beendete ihren Kampfeinsatz in Afghanistan im vergangenen Jahr. Der Nachfolgeeinsatz "Resolute Support" dient vor allem der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte. Amerikanische Einheiten fliegen allerdings weiterhin Luftangriffe gegen die Taliban.
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