Kurz nach dem Scheitern der Waffenruhe in Syrien
Raketen regnen auf Aleppo

Berichte von unterschiedlichen Seiten lassen wenig Zweifel daran, dass bei einem Angriff ein Warenlager und mehrere Lastwagen getroffen wurden, die zuvor Hilfsgüter der UN und anderer Hilfsorganisationen nach Orem al-Kubra gebracht hatten. Mehr als 20 Menschen wurden getötet, als sie die Lastwagen gerade ausluden. Bild: AFP

Kurz nach dem Scheitern der Waffenruhe in Syrien fliegen Jets die heftigsten Luftangriffe auf den Raum Aleppo seit Monaten. Auch Lastwagen eines Hilfskonvois werden getroffen. Ein Versehen oder Absicht?

Aleppo. Hinter dem Mann mit dem weißen Helm lodert noch Feuer, als er den Arm hebt und nach links zeigt. Dort drüben hätten mehr als 20 Lastwagen gestanden, sagt der Rettungshelfer aus dem syrischen Ort Orem al-Kubra in gebrochenem Englisch. Die Kamera, die ihn für ein Internetvideo der lokalen Hilfsorganisation Weißhelme filmt, folgt seinem Arm. "Sie waren voller Nahrung, Mehl, Medizin, Pampers und Decken." Hilfsgüter, die an notleidende Syrer verteilt werden sollten. Mehr als 20 Menschen wurden getötet, als sie die Lastwagen gerade ausluden

Fassbomben der Armee


Der Rettungshelfer berichtet, ein Hubschrauber der syrischen Armee habe Fassbomben abgeworfen. Als Helfer am Ort eingetroffen seien, habe es einen weiteren Luftangriff gegeben. Syriens Regierung und ihr enger Verbündeter Russland weisen jegliche Schuld zurück. Moskau spricht von der "Folge eines Brandes".

Spätestens mit diesem Zwischenfall ist die brüchige Waffenruhe, die Washington und Moskau ausgehandelt hatten, endgültig gescheitert. Kurz nachdem Syriens Armeeführung das Ende der Feuerpause erklärte, warfen Kampfjets ihre Bomben über Rebellengebieten ab.Augenzeugen berichteten aus mehreren Regionen über die heftigsten Angriffe seit Monaten. Die Raketen hätten auf Aleppo "geregnet", sagt ein Aktivist aus der Stadt. Die UN stellten nach dem Angriff ihre Hilfstransporte in Syrien vorerst ein.

"Das Regime will Aleppo belagern, die Menschen aushungern und vertreiben", sagt Sakaria Malahafdschi, Sprecher der Miliz Fastakim. "Es gibt ein syrisches Sprichwort: Wer sich vor Strafe sicher fühlt, tut Unmoralisches. So verhält es sich mit dem Regime."

Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig vor, für das Scheitern der Waffenruhe verantwortlich zu sein. Die Ereignisse in den vergangenen Monaten weisen deutlich darauf hin, dass die Regierung kein Interesse an einer Waffenruhe und Verhandlungen hat. Schon bei den mittlerweile ausgesetzten Genfer Friedensgesprächen taten Assads Vertreter alles, um einen schnellen Fortschritt zu verhindern. Warum sollte das Regime auch verhandeln? Militärisch ist es dank der Hilfe Russlands und des Irans seit Monaten in der stärkeren Position.

Aber auch aufseiten der Regimegegner gibt es Gruppen, die die Feuerpause ablehnten - vor allem die radikale Fatah-al-Scham-Front, die früher Al-Nusra-Front hieß. Sie ist besonders stark in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens, kämpft aber auch in der Provinz Aleppo Seite an Seite mit gemäßigten Rebellen, die von den USA unterstützt werden.

Weil die Miliz eng mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden ist, gilt die Waffenruhe für sie nicht - weshalb Washington und Moskau sie weiter bekämpfen.
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