Lage bei bei Idomeni angespannt
Tränengas gegen Migranten

Verzweifelte Migranten und gewaltbereite Autonome ergeben eine gefährliche Mischung in Idomeni. Die griechische und die mazedonische Polizei sind in Alarmbereitschaft. Lesbos erwartet hohen Besuch.

Athen/Idomeni/Straßburg. Vor dem Grenzzaun bei Idomeni bleibt die Stimmung explosiv. Am Mittwoch kam es nahe dem wilden Flüchtlingscamp in Griechenland erneut zu Ausschreitungen. Einige Dutzend Migranten versuchten von der griechischen Seite aus, den Zaun nach Mazedonien zu überwinden, um von dort weiter Richtung Norden und Deutschland zu gelangen. Mazedonische Polizisten schleuderten Tränengasgranaten über den Zaun, wie das griechische Fernsehen zeigte.

Hunderte Migranten, darunter viele Familien, verließen nach heftigen Ausschreitungen Idomeni. "Hier gibt es zu viele Radikale", sagte eine Frau. In der Hafenstadt Piräus entspannte sich die Lage am Mittwoch deutlich. Mehr als 1000 Migranten wechselten vom wilden Camp an der Kaimauer in ein Aufnahmelager, wie die Regierung mitteilte. "Piräus wird langsam evakuiert ohne Gewalt", sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis.Unter die randalierenden Migranten in Idomeni hatten sich nach übereinstimmenden Berichten auch vermummte Autonome gemischt. Am Vortag hatte die griechische Polizei umfangreiche Kontrollen vorgenommen. In Polizeikreisen gab es Informationen, dass vor allem junge Migranten Kontakte mit "radikalen Elementen" geknüpft hätten. Es handle sich um Autonome aus verschiedenen Staaten Europas und griechische Linksextremisten.

Papst-Besuch


Am Samstag wird der Papst auf Lesbos erwartet. Er wolle Flüchtlingen und Bewohnern seine "Nähe und Solidarität" vermitteln. "Ich bitte Euch darum, mich im Gebet zu begleiten", sagte Franziskus bei der Generalaudienz vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Er werde die Migranten gemeinsam mit seinen "Brüdern", dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. und dem ebenfalls orthodoxen Erzbischof Hieronymus II., treffen, betonte der Pontifex.

EU-Debatte über Türkei


Unterdessen hat die EU-Spitze das Abkommen mit Ankara über die Rückführung von Flüchtlingen verteidigt. "Es ist eine gefährliche Illusion zu glauben, dass es eine ideale und hundertprozentig effektive Lösung gibt", sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk vor den Abgeordneten in Straßburg. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, das Abkommen sei wegen mangelnder Solidarität innerhalb der EU nötig gewesen. Er betonte die Bedeutung der Grundrechte und - auch vor dem Hintergrund des Vorgehens von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen den Satiriker Jan Böhmermann - der Pressefreiheit. Der Fraktionschef der Liberalen, Guy Verhofstadt, sagte über Erdogan: "Wir haben ihm schon die Schlüssel zu Europas Toren gegeben, nun laufen wir Gefahr, ihn auch unsere Redaktionen und Medien kontrollieren zu lassen." (Seite 8)
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