Lage im Bürgerkriegsland Syrien
Aleppo bebt im Bombenhagel

Syrer ziehen ein totes Kind aus den Trümmern eines durch Bombardement zerstörten Hauses in Aleppo. Nach der Waffenruhe eskaliert die Gewalt in der umkämpften Stadt wieder. Bild: AFP

Damaskus. Nach dem Ende der Waffenruhe sind die Kämpfe in Syrien wieder aufgeflammt. Fragen und Antworten zur verheerenden Lage in dem Bürgerkriegsland:

Wo in Syrien wird gekämpft?

Vor allem in der geteilten Stadt Aleppo im Norden ist die Gewalt seit Anfang der Woche eskaliert. Auch östlich von Damaskus liefert sich das Regime heftige Kämpfe mit Rebellen aus der Region Al-Ghuta. Die Aufständischen beschießen die Hauptstadt regelmäßig. In weiten Teilen des Landes müssen Rebellen Luftangriffe fürchten - etwa in der nordwestlichen Provinz Idlib. Im Norden und Osten Syriens ging der Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) auch während der Feuerpause weiter. Dieser verübt überall Anschläge.

Gibt es auch kampffreie Zonen?

In der aufwendig gesicherten Hauptstadt Damaskus ist es meistens ruhig. Auch das Kernland von Machthaber Baschar al-Assad, Latakia an der Mittelmeerküste, ist von Kämpfen verschont geblieben. Dort leben vor allem Angehörige der Minderheit der Alawiten, zu der Assad gehört.

Wie ist die Lage in Aleppo?

Aleppo, das als wichtigstes Schlachtfeld in dem fünfeinhalb Jahre dauernden Bürgerkrieg gilt, ist dieser Tage so heftig umkämpft wie vielleicht nie zuvor.

Das syrische Regime hat eine Offensive zur Eroberung des von Rebellen gehaltenen Ostteils der Stadt angekündigt. Hunderte Luftangriffe trafen Aktivisten und Beobachtern zufolge am Donnerstag und Freitag die Stadt. Aktivist Baha al-Halabi sagte: "Sie benutzen sehr gewaltige Raketen. Der Boden unter unseren Füßen zittert und bebt." Aleppo stehe nach dem Einschlag von Brand- und Streubomben in Flammen, berichtete al-Halabi weiter. Die Angaben konnten nicht überprüft werden, Menschenrechtsorganisationen hatten in der Vergangenheit aber den Einsatz entsprechender Waffen kritisiert. Ein Bewohner erzählte, dass die Menschen nicht einmal mehr in Schutzräumen sicher seien. Neue Waffen würden auch diese zerstören.

Wer kämpft in Aleppo?

Das syrische Regime kontrolliert mit seinen Verbündeten Russland und Iran den Westteil der Stadt und hält auch Gebiete außerhalb der Stadtgrenzen, so dass die Rebellen im Osten Aleppos belagert sind. Die eingeschlossenen Kämpfer gehören einem weiten Spektrum von Gruppen an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Genauso wie die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren.

Wer hat Einfluss auf Informationen aus dem Bürgerkriegsland?

Nahezu alle Quellen sind ideologisch gefärbt und kommen von Konfliktparteien: Staatliche syrische Medien, die von Assad kontrolliert werden, Hunderte Medienaktivisten der Rebellen und die Propaganda-Maschinerie des IS. Eine unabhängige Überprüfung ihrer Berichte ist nicht immer möglich. Als eine der verlässlichsten Quellen gilt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die Informationen aus einem Netz von Informanten vor Ort bezieht.

Ist eine neue Waffenruhe möglich?

Das ist ungewiss. Die Stimmung zwischen den USA und Russland ist schlecht. Die eskalierende Gewalt deutet nicht darauf hin, dass das Regime eine Feuerpause will.

Haben Flugverbote eine Chance?

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Russland auf Kerrys Forderung eingeht, ein generelles Flugverbot für die syrische Luftwaffe zu erlassen oder dass alle Parteien in bestimmten Regionen auf die militärischen Flüge verzichten sollten.

Gibt es im Moment humanitäre Hilfe für die notleidenden Menschen?

Nach dem verheerenden Angriff auf den UN-Konvoi nahmen die Vereinten Nationen ihre Hilfslieferungen am Donnerstag wieder auf. Am Abend erreichte eine erste Lieferung mit Nahrung und Medizin den Damaszener Vorort Moadamija. In den nächsten Tagen sollen weitere Städte erreicht werden, hieß es.
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