Lage in Griechenland spitzt sich zu
Flüchtlinge stürmen Grenzzaun zu Mazedonien

An der Grenze Griechenlands zu Mazedonien zwischen Idomeni und Gevgelija rissen Flüchtlinge mit einfachen Werkzeugen Teile des Grenzzauns nieder. Eine dauerhafte Öffnung des Tores gelang ihnen aber nicht. Die mazedonischen Grenzpolizisten setzten massiv Tränengas ein. Bild: dpa

In Griechenland stürmen verzweifelte Flüchtlinge stürmen den mazedonischen Grenzzaun. Die Polizei setzt Tränengas ein. Angela Merkel will die Griechen nicht im Stich lassen. Bei Anne Will verteidigt sie ihren Kurs.

Athen/Brüssel/Berlin Hunderte verzweifelte Migranten haben am Montag versucht, den Zaun an der griechisch-mazedonischen Grenze zu stürmen und in das Nachbarland durchzubrechen. Zwischen Idomeni und Gevgelija rissen sie mit einfachen Werkzeugen Teile des von Mazedonien errichteten Grenzzauns nieder. Eine Öffnung des Tores gelang ihnen aber nicht. Die mazedonischen Grenzpolizisten setzten massiv Tränengas gegen die Flüchtlinge ein.

Die Länder an der Balkanroute - Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien - hatten sich unter Führung Österreichs darauf verständigt, täglich nur noch bis zu 580 Migranten nach Norden durchzulassen. Da der Zustrom aus der Türkei nach Griechenland anhält, sitzen dort schätzungsweise 25 000 Menschen fest - mit steigender Tendenz. Auch im Zentrum der Hauptstadt Athen spielten sich chaotische Szenen ab: Am zentralen Viktoria-Platz verbrachten Hunderte Flüchtlinge - darunter Familien mit Kleinkindern - die Nacht im Freien. Die EU-Kommission bereitet unterdessen Notfallpläne für Griechenland und andere Länder auf der Balkanroute vor.

Merkel bittet um Geduld


Bundeskanzlerin Angela Merkel warb in der ARD-Sendung "Anne Will" erneut für ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik. Ihre Botschaft: Sie bleibt bei ihrem europäischen Weg, lehnt nationale Obergrenzen ab - und hat keinen Plan B. Die Bevölkerung bat sie um Geduld. Es gehe jetzt auch um Deutschlands Ansehen in der Welt, sagte Merkel. "Das ist eine ganz wichtige Phase unserer Geschichte." Ihre Priorität sei, Europa zusammenzuhalten und Humanität zu zeigen.

Angesichts der Flüchtlingsströme warnte Merkel vor nationalen Alleingängen. "Das ist genau das, wovor ich jetzt Angst habe, wenn der eine seine Grenze definiert, muss der andere leiden. Das ist nicht mein Europa." Sie sagte Griechenland weitere Unterstützung zu: Man habe das Land doch nicht im Euro gehalten, um es jetzt fallenzulassen. Persönliche Konsequenzen für den Fall, dass der EU-Türkei-Gipfel am 7. März scheitere, schloss Merkel aus.

Calais: Räumung läuft


Unter starkem Polizeischutz hat am Montag im nordfranzösischen Calais die umstrittene Räumung des Flüchtlingslagers begonnen. Provisorische Unterkünfte, Baracken und Zelte wurden mit Hilfe von Bulldozern und Einsatzkräften eingerissen. Nach Behördenangaben halten sich derzeit knapp 4000 Migranten in Calais auf. (Kommentar und Seite 4)

DrehverbotDreharbeiten und Besuche von Journalisten in griechischen Flüchtlingslagern und Registrierzentren sind seit Montag nicht mehr erlaubt. Dies teilte das Innenministerium in Athen mit. Das Verbot sei nach Unterredungen mit den Verwaltern der Zentren verhängt worden und gilt demnach für unbestimmte Zeit. "Wir bitten um Verständnis", hieß es weiter. (dpa)
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