Landgericht Amberg muss entscheiden
31-Jähriger nach Psychiatrie wieder gewalttätig

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Amberg/Schwandorf. (hwo) Die von Staatsanwalt Tobias Kinzler zu Beginn des auf fünf Tage anberaumten Prozesses verlesene Anklageschrift nimmt sich aus wie der Gang durch ein Horrorkabinett. Es geht um Ausraster, bei denen die Opfer teils sehr schwere Verletzungen davongetragen haben sollen.

Dabei handelte es sich nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um die Mutter des 31-jährigen Angeklagten, um seine Lebensgefährtin und um einen Nachbarn, der schlichtend und helfend eingreifen wollte.

Die Serie der Übergriffe begann im August letzten Jahres. Mitten in der Nacht soll der junge Mann seine Mutter am Hals gewürgt und dann massiv zugeschlagen haben. Am 12. Oktober gab es dann einen weiteren Zwischenfall. Dabei ging der Angeklagte nach behördlichen Erkenntnissen gegen seine Lebensgefährtin vor. Die Frau soll während einer Autofahrt von ihrem am Beifahrersitz mitfahrenden Freund so brutal traktiert worden sein, dass Blut floss und das Sehvermögen des Opfers trübte. Der Pkw geriet daraufhin außer Kontrolle und streifte einen geparkten Pkw.

Jähe Attacken

Hier sieht die Staatsanwaltschaft neben der Körperverletzung auch einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gegeben. Als das blutende Opfer ausstieg und an Haustüren klingelte, um Hilfe zu holen, soll es erneut Hiebe gesetzt haben. Die jähen Attacken setzten sich fort. Am 28. Dezember soll die Lebensgefährtin abermals übel misshandelt worden sein. Die Frau kam daraufhin ins Krankenhaus und musste dort stationär behandelt werden. Im Januar 2014 wurde dann, so die Anklage, ein Nachbar des 31-Jährigen zur Zielscheibe der Aggressionen. Der Mann wurde mit der Querstange aus einem Kleiderschank verprügelt, ihm wurde diese Stange auch in den Bauch gestoßen. Vor der Strafkammer in Amberg schob er nun sein Hemd hoch, um den Richtern zurückgebliebene Narben zu zeigen.

Anschließend kehrte nur für ein paar Tage Ruhe ein. Am 12. Januar soll der 31-Jährige erneut gegen seine Lebensgefährtin vorgegangen sein. Ergebnis diesmal laut Ermittlungsbehörde: Schädelprellung, Nasenbeinbruch, Hämatome. Wieder kam die Frau ins Krankenhaus. Das Tatwerkzeug sei ein Ledergürtel gewesen, heißt es in der Anklageschrift.

Als der Nachbar einschreiten wollte, bekam auch er Hiebe. Dazu wurde angeblich ein Kleiderbügel benutzt. Nur einen Tag später wurde der Nachbar abermals angegriffen. Diesmal mit einem langen Fahrradschloss aus Metall. Die Waffe fügte dem Opfer unter anderem eine Stückfraktur des Jochbeinfortsatzes zu. Im Verlauf seiner Übergriffe soll der Angeklagte einmal mit Blick auf seine Freundin gesagt haben: "Wenn sie geht, wird sie liquidiert."

Psychiatrie oder Haft

Noch im Januar war Schluss. Der mutmaßliche Täter kam in U-Haft. Nun sitzt er neben seiner Verteidigerin Gabriele Steck-Bromme (Frankfurt) auf der Anklagebank. Manche der Vorwürfe räumt er zu einem gewissen Teil ein, andere bestreitet er. Im Sitzungssaal sind zwei Psychiater und ein Rechtsmediziner anwesend. Im Verlauf des Verfahrens soll sich herausstellen, ob der Beschuldigte in die Psychiatrie zurück muss oder womöglich eine Haftstrafe erhält. Die Entscheidung darüber dürfte in der kommenden Woche fallen.
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