Langjähriger Geheimdienstchef attackiert Regierung - Präsident Bouteflika zurück in Algerien
Gefährliche Abstecher nach Grenoble

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika tritt seit seinem Schlaganfall kaum in der Öffentlichkeit auf. Das Bild stammt aus dem Jahr 2014. Archivbild: dpa
Ein Machtkampf zwischen dem Präsidentenpalast und dem Geheimdienst sorgt in Algerien für Wirbel. Während sich der gesundheitlich angeschlagene Präsident Abdelaziz Bouteflika zur Behandlung in Frankreich befand, meldete sich sein langjähriger Geheimdienstchef Mohammed Mediene alias General Toufik mit schweren Vorwürfen gegen die Regierung zu Wort. Das berichteten algerische Medien am Samstag unter Berufung auf einen Brief.

Mediene, der als einer der mächtigsten Männer Algeriens galt, war im September nach 25 Jahren im Amt überraschend in den Ruhestand geschickt worden. Beobachter sahen darin eine Maßnahme des Präsidentenpalastes, mögliche Rivalen im Ringen um die Nachfolge Bouteflikas zu schwächen. In den vergangenen Monaten gab es noch weitere personelle Umbesetzungen im Militärgeheimdienst. Für Aufsehen sorgte zudem die Verurteilung des langjährigen Anti-Terror-Chefs Abdelkader Aït Ouarabi (General Hassan) durch ein Militärgericht zu fünf Jahren Haft. General Hassan wird unter anderem der "Verstoß gegen militärische Anweisungen" vorgeworfen.

Dieses Urteil kritisierte Mediene - der bisher auch zu seiner eigenen Absetzung schwieg - nun scharf und forderte eine Entschädigung für seinen früheren Mitarbeiter. General Hassan gehöre zu jenen, die sich der Verteidigung Algeriens absolut verpflichtet fühlten, erklärte er. Das "Unrecht" ihm gegenüber müsse wiedergutgemacht werden.

Der Machtkampf tobt zu einer Zeit, in der die Algerier unsicher sind, ob Bouteflika noch regierungsfähig ist. Der 78-Jährige reiste am Donnerstag zu einer seiner "regelmäßigen Untersuchungen" in die französische Stadt Grenoble, wie die staatliche Nachrichtenagentur APS erklärte. Am Samstagabend kehrte er zurück.

Der Präsident ist mehrfach in Frankreich behandelt worden. 2013 erlitt er einen Schlaganfall und war zweieinhalb Monate dort. Weil er seitdem kaum öffentliche Termine wahrnimmt, wird er von Medien als "Phantom" bezeichnet. Die Opposition fordert seine Ablösung und Neuwahlen. Viele befürchten, dass die Macht längst auf Vertraute Bouteflikas übergegangen ist. Der Präsident ist seit 1999 an der Macht. Als er die Führung übernahm, hatte Algerien gerade einen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 150 000 Toten hinter sich.
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