"Lawine Altersarmut"

Die Rente reicht Hunderttausenden nicht mehr für ihren Lebensunterhalt. Sie sind auf Grundsicherung angewiesen. Sozialverbände befürchten einen weiteren Anstieg von Altersarmut.

(dpa/epd) Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen Grundsicherung. Vor allem Rentnerinnen im Westen sind auf diese Form der Sozialhilfe angewiesen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Künftig werde die Altersarmut im Osten deutlich zunehmen, sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Ulrike Mascher, voraus. "Es rollt eine Lawine der Altersarmut auf uns zu", warnte auch der Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. "In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden immer mehr Menschen ohne hinreichende Rentenansprüche das Rentenalter erreichen."

Eine Million Betroffene

Grundsicherung können sowohl Menschen im Rentenalter bekommen, als auch jüngere Erwachsene, deren Erwerbsfähigkeit dauerhaft gemindert ist. Der festgelegte Bedarf betrug im März 2015 durchschnittlich 758 Euro brutto im Monat. Netto waren es im Schnitt jedoch nur 460 Euro, weil das Einkommen zum Teil abgezogen wird. Schätzungsweise 1,004 bis 1,009 Millionen Menschen bekamen diese staatliche Unterstützung im ersten Quartal 2015. Ende 2014 waren es 1,002 Millionen - der höchste Stand seit Beginn der Statistik 2003.

Die exakten Zahlen für die ersten drei Monate des laufenden Jahres konnte die Behörde aber noch nicht nennen, weil aufgrund eines Softwarefehlers bei einigen Meldestellen insgesamt nur rund 995 000 Empfänger angegeben worden waren. Das sind schätzungsweise 10 000 bis 15 000 zu wenig, wie die Statistiker errechneten. Bislang war die Grundsicherung jährlich von den Landesämtern erfasst worden, seit Jahresanfang wird sie vierteljährlich zentral vom Bundesamt erhoben.

In der Mehrzahl Frauen

61 Prozent der Bezieher von Grundsicherung im Alter waren Frauen (März 2015). Vor allen in den alten Bundesländern beziehen viele Menschen nach Angaben des Bundesamtes die Grundsicherung: Dort waren es 31 von 1000 Einwohnern. In den neuen Bundesländern und Berlin seien es 19 von 1000 Einwohnern gewesen. Spitzenreiter war Hamburg mit 69 von 1000 Einwohnern, teilte das Statistische Bundesamt mit. In Bayern waren es 26 von 1000 Einwohnern.

"Die Zahlen der Grundsicherung verdecken ein bisschen die tatsächliche Situation", sagte Ulrike Mascher. Denn immer mehr über 65-Jährige übernähmen einen Minijob, um der Grundsicherung zu entkommen. "Viele alte Frauen scheuen sich auch, Grundsicherung zu beantragen, oder haben Sorge, dass ihre Kinder herangezogen werden."
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