Leitender Oberstaatsanwalt: Einbrecher reagieren selten so aggressiv wie gegenüber 25-Jähriger
Seelische und sichtbare Narben

Gerd Schäfer, Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Weiden: "Nicht jeder Einbrecher reagiert so aggressiv, wenn er überrascht wird. Die meisten Täter fliehen und verletzen dabei niemanden."
Pressath. (juh) Sechs Tage sind vergangen, und noch immer ist in Pressath das Unverständnis und die Bestürzung über die Tat groß: Am Samstag hatte ein 28-jähriger Einbrecher eine 25-Jährige in ihrer Wohnung brutal mit einem Messer attackiert und schwerverletzt. Nur durch eine Not-Operation in der Klinik Regensburg überlebte die Frau.

"Mittlerweile geht es ihr schon besser", berichtet Michaela Schmidt am Donnerstag. Sie und ihre Tochter Denise hatten die Hilferufe von Lothar Herrmann, einem Nachbar des Opfers und der Familie Schmidt, gehört. Zusammen leisteten die Drei der Frau, die mit letzter Kraft auf den Gehweg gerobbt war, Erste Hilfe und retteten ihr damit das Leben.

Kann schon wieder lachen

Michaela Schmidt steht in regelmäßigem Kontakt mit der Mutter des Opfers. Die 25-Jährige befinde sich auf dem Weg der Besserung. "Sie kann schon wieder lachen, aber es ist alles sehr schwer für sie", erklärt Schmidt. Die seelischen und physischen Narben würden noch lange sichtbar bleiben, ist sich die Pressatherin sicher.

"Bislang waren wir noch nicht bei ihr im Krankenhaus, wir wollen sie damit jetzt nicht überfordern, aber sobald sie soweit ist, werden wir sie auf jeden Fall besuchen." Sie sei sehr erleichtert, dass die junge Frau Fortschritte mache. Ähnlich äußert sich auch Reiner Striegl, Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach, über den Gesundheitszustand des Opfers: "Sie ist aus dem Koma erwacht und relativ stabil."

Verdächtiger bleibt in Haft

Die Ermittlungsarbeit der 70-köpfigen Sonderkommission führte schnell zu einem Erfolg: Am Sonntagabend nahm die Polizei einen 28-jährigen US-Staatsbürger, der ebenfalls in Pressath lebt, als Tatverdächtigen fest.

"Grundsätzlich hat der Mann gestanden. Die Ermittlungsbehörden sind sich sicher, dass er die Tat begangen hat", betont Gerd Schäfer, Leitender Oberstaatsanwalt in Weiden. Der mutmaßliche Täter befinde sich derzeit immer noch in Untersuchungshaft. "Es benötigt jetzt eine ganze Zeit, um alle Fakten zu sammeln. Auch die Spuren vom Tatort müssen ausgewertet werden", erklärt Schäfer die derzeitige Ermittlungsarbeit.

"Wir sind uns sicher, dass sich Opfer und mutmaßlicher Täter im Vorfeld nicht gekannt haben." Dieser Aspekt mache die Frage nach dem Warum noch wichtiger. "Dadurch versucht man nicht, die Tat zu verstehen oder zu erklären, das kann man nicht. Dennoch müssen die Ursachen für sein Verhalten geklärt werden."

Aus Angst aggressiv?

Die Ermittlungsbehörden ziehen es in Betracht, dass der Täter aus Angst, wiedererkannt zu werden, so aggressiv gehandelt hat. Das sei eine Möglichkeit, die in den laufenden Ermittlungen berücksichtigt werden müsse, führt Schäfer aus.

Zusätzlich werde ein psychologisches Gutachten des Mannes erstellt. Ob Drogen oder andere berauschende Mittel eine Rolle gespielt haben, stehe bislang nicht fest.

Bevölkerung besorgt

"Es ist verständlich, dass die Bevölkerung besorgt ist. Aber grundsätzlich reagieren Einbrecher nicht auf so eine aggressive Art und Weise, wenn sie überrascht werden." Die meisten, die bei ihrer Tat erwischt werden, würden einfach fliehen. "Es kann auch sein, dass sie die Person, von der sie überrascht wurden, zur Seite schubsen, aber ein solche Gewalt, das ist sehr selten", erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt.
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