Leukämie
Westerwelle stirbt mit 54 Jahren

Am 17. Dezember 2013 übergab Guido Westerwelle (FDP, links) das Auswärtige Amt an seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD). Steinmeier würdigte Westerwelle als "wahren Patrioten". Bild: dpa

Mehr als 30 Jahre Politik, zehn Jahre FDP-Chef, vier Jahre Außenminister - Guido Westerwelle gehörte zu den prägenden Gestalten der deutschen Politik. Jetzt ist er an den Folgen von Blutkrebs gestorben.

Berlin. Im Herbst vor anderthalb Jahren dachte Guido Westerwelle schon einmal, es sei soweit. Wegen seiner Leukämie hatte er in der Uniklinik Köln von einem fremden Spender Knochenmark-Stammzellen transplantiert bekommen. Auf eine der vielen Infusionen, die danach sein müssen, reagierte sein Körper allergisch. Das Herz raste, die Augen kippten nach hinten, er bekam keine Luft. "Ich dachte: So also fühlt es sich an, das Sterben." Am Freitag ist der ehemalige FDP-Vorsitzende nun in der Universitätsklinik Köln tatsächlich gestorben. Mit 54 Jahren nur, an den Folgen von akuter myeloischer Leukämie, einem Blutkrebs der besonders schlimmen Art.

Auf der Homepage seiner Stiftung, der Westerwelle Foundation, war kurz danach ein Foto aus glücklicheren Tagen zu sehen. Ein Selfie mit seinem Mann Michael Mronz, irgendwo am Strand. Dazu vier Zeilen Text: "Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt." Darunter das Datum und ihre beiden Namen. Mit dem Buch, das er über seine Krankheit verfasste ("Zwischen zwei Leben - Von Liebe, Tod und Zuversicht"), hatte der FDP-Politiker viele Menschen gerührt. In einem seiner letzten Interviews, mit der "Bunten", sagte er: "Ich will nicht nur durchkommen, sondern ich möchte wieder ein erfülltes Leben führen. Ich möchte vollständig genesen." Aber die Hoffnung, noch einmal davon zu kommen, trog dann doch.

Westerwelle - die ganze Karriere hindurch immer einer der Jüngsten - gehörte zur kleinen Zahl von Politikern, die sowohl in der späten Bonner als auch in der Berliner Republik prägende Gestalten waren. Zeit seines Lebens gehörte der Anwaltssohn aus Bonn zu den Leuten, über die die Meinungen auseinandergingen. Bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst. Zu Beginn der 80er Jahre fiel er zum ersten Mal auf: Als in Bonn Hunderttausende gegen die Nachrüstung demonstrierten, stand Westerwelle mittendrin und verteilte Flugblätter - dafür. 1983 wurde er Vorsitzender des neugegründeten FDP-Nachwuchses, der Jungen Liberalen. Der Beginn eines Lebens fast ausschließlich für die Politik. Nebenbei studierte er Jura, machte an der Fern-Uni Hagen seinen Doktor.

Genscher als Mentor


Als "Ziehvater" galt lange Zeit Hans-Dietrich Genscher. Dessen Nachfolger Klaus Kinkel machte ihn - mit gerade mal 32 Jahren - zum Generalsekretär der FDP. Westerwelle war Ehrgeiz pur. Lauter, forscher, schriller als jeder andere. Auf Parteitagen konnte er die Leute schwindlig reden. 2001, mit 39, wurde er FDP-Chef und verwandelte das Bild der Liberalen. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Wohnmobil durch die Republik, stieg bei "Big Brother" in den Container und malte sich eine gelbe "18" als Wahlziel auf die Schuhsohle. Nach Jahren in der Opposition holte die FDP unter ihm bei der Bundestagswahl 2009 14,6 Prozent.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher äußerte sich "tief erschüttert". Der 88-Jährige erklärte: "Er war eine große politische Begabung und ein herzensguter Mensch." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie habe ihn als "empfindsamen und als nachdenklichen Menschen erlebt. Einen verlässlichen und einen treuen Menschen." Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete seinen Amtsvorgänger als Gesicht eines "weltoffenen, liberalen Deutschlands, das in der internationalen Gemeinschaft fest verankert ist". Laut Stiftung gibt es für die Beisetzung noch keinen Termin. Im Auswärtigen Amt wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt.
Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt.Guido Westerwelle und Michael Mronz in der Mitteilung der von ihm gegründeten Westerwelle-Stiftung
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.