Lungenentzündung und Medienpolitik setzen Kandidatin zu
Clintons Kampf mit dem Fieber

Wie krank ist Hillary Clinton wirklich? Spekulationen und fehlende Informationen über den Gesundheitszustand setzen der Präsidentschaftskandidatin (im Bild mit New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio) zu. Bild: dpa

Was für ein Timing. Gerade als Clintons Umfragevorsprung schmilzt, kommt die Nachricht ihrer Lungenentzündung. Das wird ihr zusetzen - ebenso wie ihre Informationspolitik.

Washington. Eine schwere Erkrankung kommt immer zur Unzeit, aber diese ganz besonders. Nichts braucht Hillary Clinton derzeit weniger. Präsidentschaftskandidaten haben stark zu sein. Schwäche mag der Amerikaner eh nicht so gern - und nun die Diagnose einer Lungenentzündung, zwei Monate vor der Wahl. Was bedeutet das für den Wahlkampf?

Donald Trump reagierte geschickt. Via Fox News sandte er der Konkurrentin am Montag sanfte Genesungswünsche. Er hoffe, dass sie bald wieder auf dem Damm sei. Diese Zurückhaltung dürfte die Handschrift seiner neuen Berater tragen. Clinton ernsthaft erkrankt? Das ist im fiebrigen Wahlkampf ein Selbstgänger, Trump kann das einfach laufen lassen. Öl braucht dieses Feuer nicht.

Trump auf alles vorbereitet


In einem Nebensatz sagte Trump, er glaube nicht, dass die Demokraten die geschwächte Kandidatin zurückzögen. Und wenn doch, er sei für alles bereit. Noch am Sonntag hatte in sozialen Netzwerken die Diskussion begonnen, was denn sei, wenn Clinton nicht mehr könne?

Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür. Wenn aber doch: Eine Entscheidung über einen Rückzug liegt ganz allein bei Clinton. Eine Art Enthebung existiert in den Regeln der Partei nicht. Zöge sie zurück, würde das National Committee der Partei einen neuen Kandidaten bestimmen. Das ist rechtlich eindeutig, hat es in der US-Geschichte aber noch nie gegeben. Nie hat ein nominierter Kandidat verzichtet. In politischen Spekulationszirkeln ist Joe Biden Nummer-Eins-Gerücht als Ersatzmann Clintons. Der amtierende Vizepräsident quält sich dem Vernehmen nach eh jeden Morgen mit der Frage, warum um alles in der Welt er seinen Hut nicht doch vor Monaten in den Ring geworfen hat.

Am verheerenden Echo auf ihre Erkrankung ist Clinton auch ein bisschen selber schuld. Schlimm genug, dass Videobilder einer wegsackenden Kandidatin, die nicht mehr selber gehen kann, sofort um die Welt rasten. Der Umgang mit der Erkrankung nährte dann so ziemlich alle Vorwürfe in Sachen Intransparenz, die Clinton eh schwer zu schaffen machen. Ihre Kampagne brauchte zu lange, um überhaupt zu reagieren. Niemand wusste, wo Clinton ist. Nach Stunden äußerte sich ihre Ärztin: Schon seit Freitag sei Clinton erkrankt. Warum wurde das erst jetzt mitgeteilt, erst unter größtem Druck? Clintons Vertrauenswerte waren schon vorher historisch niedrig.

Trump und die Republikaner streuen seit Wochen, Clinton sei in Wirklichkeit zu krank für das Weiße Haus. Sie raunen über Folgen eines Blutgerinnsels, das 2012 in Folge einer Gehirnerschütterung Clintons entstand. Sie weiden sich an jedem Husten der Kandidatin. Die Postille "National Enquirer" titelt mit einem leichenblass zurechtgebastelten Foto einer vermeintlich vom Tode gezeichneten Clinton. Der Titel: "Hillary: Noch sechs Monate zu leben."

Clinton hat keinen guten Lauf. Dass sie vor wenigen Tagen Trump-Unterstützer in einen "Korb der Erbärmlichen" steckte, voller Rassisten und Sexisten, war ein schwerer Fehler. Trump nahm diese Vorlage auf: "Ich hätte so etwas nicht für möglich gehalten. Man ist Präsident aller Amerikaner, nicht einer bestimmten Gruppe oder Anzahl!" Clinton führt derzeit in den Umfragen. Man wird rasch sehen können, ob sich ihre Erkrankung in Zahlen niederschlägt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.