Lutz Bachmann und Kathrin Oertel von Pegida stellen sich erstmals Fragen von Medienvertretern
Auf Tuchfühlung mit der "Lügenpresse"

Die Mitbegründer der Dresdner Pegida-Bewegung, Lutz Bachmann und Kathrin Oertel, informierten am Montagvormittag über die Absage der für den Abend geplanten Demonstration. Bild: dpa
Er wirkt fast gelassen. Für einen Menschen, dem Islamisten nach dem Leben trachten sollen, macht Pegida-Gründer Lutz Bachmann einen wenig aufgeregten Eindruck, als er bei der ersten Pressekonferenz seiner Bewegung in Dresden aufs Podium tritt. Ihm gegenüber, hinter einer Wand aus Mikrofonen und Kameras: mehr als 80 Vertreter deutscher und internationaler Medien. Bei den Kundgebungen von Pegida-Anhängern häufig als "Lügenpresse" verschrien, sollen sie nun erfahren, wie es mit der islamkritischen Bewegung weitergeht.

Bekannte Forderungen

"Das ist kein Sinneswandel", sagt Kathrin Oertel, die mit Bachmann die Konferenz führt. Für das Schimpfwort "Lügenpresse" gebe es Gründe. So hätten Medien die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) von vornherein abgewertet und diffamiert, sagt die 36-jährige Pegida-Sprecherin. Dennoch sei Pegida dialogbereit. "Wir hoffen, dass es auch wieder eine Zeit in Deutschland gibt, wo die Presse objektiv berichtet." Dabei müsse die Nachricht vom Kommentar zu unterscheiden sein.

Bachmann liest sechs bekannte Forderungen vor - etwa die nach qualifizierter Zuwanderung und konsequenter Abschiebung von Islamisten. "Wir sind keine Politiker", sagt Oertel, wenn sie nach Inhalten gefragt wird. "Wir sind eine Bürgerbewegung. Wir geben nur den Anstoß." Den Rest müssten die Politiker richten. "Wir wollen keine Revolution. Wir wollen ein anderes Verhältnis zwischen Politik und Volk."

Pegida werde weiter auf Missstände aufmerksam machen, um die sich dann die, "die dafür bezahlt werden", kümmern müssten, sagt Bachmann und kündigt weitere Forderungen an. "Die sechs sind noch lange nicht das Ende." Schon nächsten Montag werde es wieder einen "Abendspaziergang" geben, falls die Sicherheitslage es erlaube, sagt der 41-Jährige, der wegen der Morddrohungen unter Polizeischutz steht. Den Vorwurf, dass sich viele Ausländer montagabends in Dresden wegen der Pegida-Demos nicht mehr auf die Straße trauten, lässt er nicht stehen. "Es gibt keinen Grund für irgendjemanden in der Stadt, Angst zu haben." Natürlich gebe es unter den Tausenden Demonstranten auch "fremdenfeindliche Menschen", räumt er ein. Aber davon distanziere Pegida sich. Zustände wie in Berlin-Neukölln wolle man in Dresden aber nicht. Und dass es dort nicht zu Protesten komme, "ist aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung zu erklären", sagte er mit Blick auf den hohen Ausländeranteil.

"Normale Menschen"

Bei der Pegida-Führung handele sich eben nicht um rhetorisch versiert zum Fremdenhass aufstachelnde Profis, wie sie in manchen Medien dargestellt würden, sagt der Dresdner Politologe Werner J. Patzelt nach der Pressekonferenz. "Sondern um ziemlich normale Menschen, die überrascht sind von dem, was sie angestoßen haben, und die von ihrer politischen Rolle überfordert sind."

Am Schluss ist es wie im Film: Schwer bewacht von Personenschützern der Polizei entschwindet Bachmann im schwarzen Geländewagen. Er lächelt, wirkt gelassen. Den Rummel scheint er zu genießen.
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