Machtprobe vor Kitas

Falls es zum unbefristeten Kita-Streik kommt, müssen Eltern bei der Kinderbetreuung kreativ werden. Der Verband berufstätiger Mütter rät: "Tut euch zusammen."

In Kindertagesstätten droht der wohl größte Arbeitskampf seit Einführung der organisierten Kinderbetreuung. Stimmen die 240 000 Erzieher und Sozialarbeiter für Streik, könnten Eltern wochenlang vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Beim großen Streik 2009 hatten es die Gewerkschaften gemächlicher angehen lassen und immer nur für wenige Tage zum Streik aufgerufen. Verschnaufpausen soll es dieses Mal nicht geben. Nach fünf Runden erklärte die Gewerkschaft Verdi die Tarifverhandlungen für die bundesweit 240 000 Betroffenen in kommunalen Einrichtungen für gescheitert und begann am Dienstag mit der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik. Die Abstimmung läuft bis einschließlich 5. Mai. Am Tag danach soll das Ergebnis bekannt gegeben werden.

Es bestehen kaum Zweifel, dass die nötigen 75 Prozent Zustimmung zum Arbeitskampf zustande kommen. Verdi-Sprecher Christoph Schmitz unterstrich: "Die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen ist außerordentlich groß." Verdi-Chef Frank Bsirske sagte an die Adresse der Arbeitgeber: "Sobald die Urabstimmung abgeschlossen ist, haben sie es jederzeit in der Hand, mit der Vorlage eines verhandlungsfähigen Angebots den bevorstehenden Streik zu beenden oder womöglich noch zu vermeiden." Verdi-Fachbereichsleiter Volker Euskirchen sicherte den Eltern zu, sie frühzeitig über Schließungen zu informieren.

Die Gewerkschaften Verdi, GEW und DBB fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe unter anderem durch eine höhere Eingruppierung. Dies würde für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zu einem höheren Einkommen von durchschnittlich zehn Prozent führen. Nach Angaben der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) beläuft sich die Gesamtforderung auf 1,2 Milliarden Euro. Das sei nicht bezahlbar. Indirekt profitierten von einem Tarif- ergebnis mit den kommunalen Arbeitgebern auch die mehr als 500 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bei freien und kirchlichen Trägern.

Die VKA warf den Gewerkschaften mangelnde Kompromissbereitschaft vor. "Gerade in so einem sensiblen Bereich wie der Kinderbetreuung kann man von Gewerkschaften ein besonders verantwortungsvolles Vorgehen erwarten, und dass sie erst den Verhandlungsweg ausschöpfen, bevor sie Kinder und Eltern mit einem Arbeitskampf belasten", hieß es.
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