Malu Dreyer zimmert Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz
Letzte rote Hoffnungsträgerin

Die erste Ampel-Koalition in einem westdeutschen Flächenland ist besiegelt. Der Grünen-Landesvorsitzende Thomas Petry (von links), die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags. Bild: dpa

Sie war Wahlsiegerin in Rheinland-Pfalz, jetzt führt sie die erste Ampel-Koalition auf Länderebene seit 21 Jahren: Malu Dreyer. Hat sie mit einem solchen Rückenwind auch Ambitionen auf Berlin?

Mainz. Malu Dreyer hat das geschafft, wovon Sigmar Gabriel bisher nur träumen mag. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz holte die Regierungschefin im März für ihre SPD mit 36,2 Prozent den Wahlsieg - vor der CDU von Julia Klöckner. Nun eröffnet sie den Sozialdemokraten neue Optionen mit einer Ampelkoalition - der ersten auf Länderebene seit Bremen vor 21 Jahren. Rund zwei Monate nach der Wahl ist das Bündnis besiegelt. Dreyer ist zufrieden. Die Tinte unter dem Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen ist für sie "der schöne Abschluss" der Regierungsbildung.

Absolute Mehrheit nötig


Das Bündnis steht an diesem Mittwoch gleich vor seiner ersten Herausforderung: der Wahl Dreyers zur Ministerpräsidentin im Landtag. Anders als in anderen Ländern braucht die Regierungschefin eine absolute Mehrheit. Die 55-Jährige geht davon aus, dass alles glatt laufen wird. Denn: Wenn die Wahl nicht gelänge, hätten alle drei Parteien ein Problem, sagt sie. Bei den Koalitionsverhandlungen hat sie darauf geachtet, dass keiner benachteiligt wird. Zugleich sorgte sie dafür, dass soziale Gerechtigkeit ein roter Faden im neuen Bündnis bleibt. Die SPD besetzt fünf von neun Ministerposten, darunter das Schlüsselressort Finanzen. Die SPD-Politikerin ist auf Ausgleich bedacht - das heißt nicht, dass sie nicht hart verhandelt.

Marie-Luise Dreyer, die alle Malu Dreyer nennen, war die Sozialdemokratie nicht in die Wiege gelegt. Ihr Vater war überzeugter CDU-Anhänger. Eigentlich wollte sie auch nicht in die Politik - zumindest anfangs nicht. Statt wie geplant nach dem Jurastudium Arbeitsrichterin zu werden, ging die Pfälzerin als parteilose Bürgermeisterin ins Rathaus Bad Kreuznach, wurde dann Sozialdezernentin in Mainz und 2002 Sozialministerin.

Mit ihrer Krankheit - sie hat Multiple Sklerose (MS) - geht sie offen um. Sie ist mit dem früheren Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) verheiratet und lebt in dem Wohnprojekt Schammatdorf in Trier. Anfang 2013 übernahm Dreyer als erste Frau auf dem Chefsessel der Staatskanzlei die Regierungsgeschäfte von Kurt Beck. Für den einen oder anderen galt sie schon vorher als "Königin der Herzen" - auch aufgrund ihres Lächelns. Zum Amtsantritt betonte sie aber: "Ich kann auch anders." Darüber sollte das Lächeln nicht hinwegtäuschen. Als sie merkte, dass der insolvente Nürburgring sie weiterverfolgte, entschloss sie sich zu einer radikalen Kabinettsumbildung. Nur Innenminister Roger Lewentz blieb auf der SPD-Seite übrig. Mit ihm, dem SPD-Landeschef, funktioniert die Arbeitsteilung. Lewentz darf auch mal bissige Kommentare abgeben, ihr Ding ist das nicht.

Aufhol-Jägerin


Im diesjährigen Wahlkampf holte Dreyer innerhalb von vier Monaten einen Rückstand von elf Prozentpunkten zur CDU auf. Sie warb für sozialen Zusammenhalt, auch als die Stimmung gegen Flüchtlinge zu kippen drohte. Sie blieb bei ihrer Absage an den Besuch der SWR-"Elefantenrunde" vor der Wahl, weil die AfD dabei war. Diese Entscheidung gilt allerdings auch in der SPD nicht bei allen als glücklich. Dreyer setzte jedenfalls auf Authentizität. Das TV-Duell gegen Klöckner ging praktisch unentschieden aus. Die Landtagswahl gewann sie deutlich. Als einen Grund für den SPD-Erfolg nannte die Forschungsgruppe Wahlen ein "parteiübergreifendes Ansehen" Dreyers.

Ihr Einfluss ist auch in Berlin gewachsen. Mit Katarina Barley als Generalsekretärin und Juliane Seifert als Bundesgeschäftsführerin hat sie gleich zwei Vertraute in der SPD-Zentrale. Doch Ambitionen auf Berlin werden ihr bisher nicht nachgesagt. Dafür freut sie sich zu sehr über ihre Ampel. "Wir sind sehr stolz darauf."
Ich kann auch anders.Marie-Luise Dreyer
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