Mazedonien gibt Blockade auf

Egal ob über das Mittelmeer oder über Land: Das Ziel tausender Menschen aus dem Nahen Osten heißt Mitteleuropa. Grafik: dpa

Angesichts des Ansturms der Flüchtlinge gibt Mazedonien die Blockade der Grenze zu Griechenland auf. Die Migranten, viele auf dem Weg nach Deutschland, werden zunächst nach Serbien durchgeleitet. Im Mittelmeer nehmen Rettungsschiffe Tausende Bootsflüchtlinge an Bord.

Mazedonien hat vor dem Ansturm von Flüchtlingen kapituliert und die Blockade an der Grenze zu Griechenland beendet. Hunderte Migranten überquerten am Sonntag ungehindert die Grenze. Die Sicherheitskräfte Mazedoniens, die an den beiden vorangegangenen Tagen Blendgranaten und Tränengas gegen Flüchtlinge eingesetzt hatten, hielten die Menschen nicht mehr auf, wie das Internetportal Vesti.mk berichtete.

Am Samstag hatten Hunderte Flüchtlinge am Grenzübergang Gevgelija den Stacheldraht niedergerissen, um nach Mazedonien und von dort weiter nach Serbien zu gelangen. Die mazedonischen Einsatzkräfte hatten zunächst erneut mit Gewalt versucht, die Menschen aufzuhalten.

Bulgarien baut Zaun aus

Mehrere Tausend Menschen kamen serbischen Medien zufolge in Presevo im Süden Serbiens an, wo schon in der Nacht zum Sonntag mit der Registrierung der Neuankömmlinge begonnen wurde. Etwa 1000 Menschen befänden sich in dem Aufnahmezentrum, während 4000 weitere Flüchtlinge in dem nahe gelegenen Lager Miratovac warteten, berichtete das serbische Staatsfernsehen RTS. Das benachbarte EU-Land Bulgarien verschärfte mit zusätzlichen Helikoptern und Grenzpolizisten die Bewachung seiner Grenzen. Um die illegale Einreise von Flüchtlingen über die türkische Grenze zu stoppen, baut Bulgarien einen bereits existierenden, Grenzzaun zur Türkei weiter aus.

Rettung aus Mittelmeer

Nach Angaben der italienischen Küstenwache sind binnen 24 Stunden im Mittelmeer rund 4400 Flüchtlinge gerettet worden. Sie stammten von 22 Schiffen und Schlauchbooten, die Notrufe gesendet hatten. Am Sonntag gingen Notrufe von drei weiteren Flüchtlingsbooten ein.

In Deutschland können Länder und Kommunen auf mehr Geld vom Bund für die Versorgung von Flüchtlingen hoffen. "Der Bund wird die Länder und Kommunen dauerhaft unterstützen, und er braucht auch selbst mehr Geld - beispielsweise für zusätzliches Personal und Sachmittel", sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) der "Bild am Sonntag". Ein wichtiges Ziel sei, alle Flüchtlingsunterkünfte winterfest zu machen. "Die vielen Zelte können nur eine Übergangslösung bis zum Herbst sein." Nach Einschätzung von Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel sind zur Entlastung der Kommunen eher drei als zwei Milliarden Euro an Bundesmitteln notwendig. Weiter sagte Gabriel: "Wir werden unsere Flüchtlingspolitik dramatisch ändern müssen." Bislang hat der Bund ihnen und den Ländern für dieses Jahr eine Milliarde Euro an Entlastung zugesagt. "Das reicht sicher nicht aus", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, dem "Focus". Mit Blick auf den Winter bräuchten die Kommunen außerdem dringend ein mindestens zwei Milliarden Euro schweres Bauprogramm.
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