Medizinische Hochschule prüft von der Leyens Arbeit
Auf Herz und Nieren

Die umstrittene Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gründlich auf Regelverstöße untersucht. Nach einer Vorprüfung durch eine Ombudsperson entschied die Hochschulleitung am Montag, nun eine fünfköpfige Kommisssion mit einer "förmlichen Untersuchung", also einer Hauptprüfung, zu betrauen. Dies lasse aber keinen Rückschluss auf das Ergebnis zu, hieß es.

Die Ministerin hatte die Überprüfung selbst angestoßen, weist die Vorwürfe, sie habe "gnadenlos kopiert", aber vehement zurück. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass von der Leyen auf der Internetseite Vroniplag Wiki schwere Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vorgeworfen werden. Der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, forderte die Aberkennung des Doktortitels von der Leyens. "Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die fünfköpfige Prüfungskommission besteht aus vier gewählten Mitgliedern aus den großen Bereichen der Hochschule sowie einem Experten für das Rechtswesen. Die Schwelle zur Einleitung der Hauptprüfung sei im Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) der Medizinischen Hochschule Hannover grundsätzlich niedrig, hieß es.

Nach Einschätzung von Plagiatsjäger Gerhard Dannemann schludern Mediziner bei ihren Doktorarbeiten häufiger als andere Wissenschaftler. "Der Publikationsdruck ist oft extrem hoch", sagte der Berliner Juraprofessor. Gleichzeitig seien Dissertationen mit Datenanalysen, wie es in der Medizin oft der Fall sei, schwer zu überprüfen. Mediziner stellen laut Statistischem Bundesamt die größte Gruppe der Doktortitel-Träger. Bei den Prüfungen gibt es kaum Durchfaller.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.