Merkel empfangt den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi - Milliardengeschäft für Siemens - Gabriel ...
Im Zeichen deutscher Interessenpolitik

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Bild: dpa
und Thomas Lanig, dpa Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi wischt sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn. Er steht neben Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt und versucht, die Todesstrafe in Ägypten zu erklären. Zusammenfassung eines längeren Monologs: Alles nach Recht und Gesetz und eben ägyptische Kultur. "Sie haben eine Perspektive, die wir respektieren. Wir haben eine Perspektive, die Sie respektieren sollten."

Es ist ein für Berliner Verhältnisse ungewöhnlicher Auftritt. Als der Ex-General stolz auf die Ägypter verweist, die ihm zu einigen Hunderten vor dem Kanzleramt zugejubelt haben, klatschen die ägyptischen Journalisten begeistert Beifall.

Es stehen aber auch andere Ägypter vor dem Kanzleramt, wie zuvor vor dem Schloss Bellevue. Sie protestieren gegen die - wie es Bundestagspräsident Norbert Lammert sagt - "unfassbar hohe Zahl von Todesurteilen" in Ägypten. Auch Al-Sisis Vorgänger, Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft, ist zum Tode verurteilt. Auf Transparenten ist zu lesen: "Al-Sisi - Massenmörder, Diktator". Eine Gruppe ruft: "Nieder mit dem Militärputsch - Mursi ist der Präsident." Vor gut zwei Jahren hatte Mursi Merkel besucht. Auch er war umstritten. Westliche Hoffnungen auf eine positive Entwicklung waren noch nicht gestorben. Doch der Muslimbruder fuhr mit leeren Händen zurück. Wenig später war er gestürzt - vom Militär unter Al-Sisi.

Im Westen war der starke Mann - in der Heimat populär - willkommen. "Wir lieben die Demokratie", sagt Al-Sisi. Zur Zeit gebe es zwar noch Defizite. Das Strafverfahren gegen Mursi solle seinen Lauf nehmen. Merkel hofft auf die Wirkung regelmäßiger und enger Kontakte. "Je mehr wir sprechen, desto mehr werden wir verstehen."

In wirtschaftlicher Hinsicht ist der Besuch ein Erfolg. Siemenschef Joe Kaeser und al-Sisi unterzeichneten mehrere Aufträge zum Bau von drei Gaskraftwerken und bis zu zwölf Windparks im Gesamtwert von acht Milliarden Euro - der größte Einzelauftrag in der Firmengeschichte. Ägypten will seine Kapazitäten zur Stromerzeugung um 50 Prozent erhöhen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lässt prüfen, ob der Bund das Geschäft teilweise mit staatlichen Exportgarantien (Hermes-Bürgschaften) absichert.
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