Merkels Verspätung

Brennende Sporthalle in Nauen (Brandenburg): Das Gebäude war als Notunterkunft für etwa 100 Flüchtlinge geplant. Am Dienstagmorgen ging die Halle in Flammen auf. Ein Brandanschlag gilt als wahrscheinlich. Bild: dpa

Nun also doch: Kritiker fordern seit langem, die Kanzlerin müsse mit dem Besuch in einem Asylbewerberheim ein Zeichen setzen. Zwei Tage nach Vizekanzler Gabriel reist auch Merkel nach Heidenau.

Nach den rassistischen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau will auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das betroffene Flüchtlingsheim besuchen. Merkel werde dort heute mit Flüchtlingen, Helfern und Sicherheitskräften sprechen, kündigte das Bundespresseamt am Dienstag an. Merkel wurde vorgeworfen, zu lange zu den Ausschreitungen geschwiegen zu haben. Sie verknüpft die Visite in Heidenau mit einem ohnehin geplanten Besuch in Sachsen. Bundespräsident Joachim Gauck will sich heute ebenfalls eine Flüchtlingsunterkunft ansehen und dort mit Flüchtlingen und Helfern reden - und zwar in Berlin. Der Besuch findet auch vor dem Hintergrund der Krawalle in Heidenau statt.

Lammert: "Schande"

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nannte die gewalttätigen Ausschreitungen rund um Flüchtlingsunterkünfte eine "Schande". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht trotz der zunehmenden Zahl an Übergriffen eine große Hilfsbereitschaft. "Wir sollten der deutschen Öffentlichkeit zeigen, dass es trotz aller Herausforderung ganz viele Fälle gibt, in denen die Dinge gutlaufen", sagte er bei einem Besuch in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Niedersachsen.

Allerdings reißen auch die Meldungen über Angriffe auf Asylbewerberheime nicht ab. Wenige Tage vor ihrem Bezug brannte am Dienstagmorgen eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge im brandenburgischen Nauen aus. Brandenburgs Innenminister Schröter vermutet vorsätzliche Brandstiftung.

Auch beim Feuer in einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber in Weissach in Baden-Württemberg hält Landes-Innenminister Reinhold Gall (SPD) Brandstiftung für möglich. Das leerstehende Gebäude war am Montag in Flammen aufgegangen.
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