Meuthen in Sorge um die Partei
AfD-Chef warnt vor Untergang

"Es ist eine existenzielle Frage, ob es uns gelingt, uns glaubhaft von Extremismus und Antisemitismus abzugrenzen." Zitat: Jörg Meuthen, einer der Bundessprecher der AfD

Zuletzt haben sie auf offener Bühne gestritten. Jetzt wollen Frauke Petry und Jörg Meuthen wieder zusammenarbeiten. Sagen sie. Doch lässt sich die Krise der AfD überwinden? In Umfragen fällt die Partei zurück.

Berlin. Die AfD steuert nach Ansicht führender Parteimitglieder auf eine existenzielle Krise zu. Grund ist der Führungsstreit zwischen den Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen, aber auch der Konflikt um den Umgang mit Antisemitismus. Meuthen warnt bereits vor dem Zerfall: "Es ist eine existenzielle Frage, ob es uns gelingt, uns glaubhaft von Extremismus und Antisemitismus abzugrenzen", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Schaffen wir es nicht, gehen wir unter." Laut AfD-Mitbegründer Konrad Adam würde die Partei eine zweite Spaltung nicht überstehen.

Der bayerische AfD-Landesverband forderte ein Ende der Grabenkämpfe, sonst müsse die Parteiführung ausgetauscht werden. "Entweder die Streitigkeiten im Bundesvorstand hören auf und die Spitze tritt geschlossen auf, oder die Mitglieder werden zeitnah bei einem außerordentlichen Parteitag über die Neubesetzung des Bundesvorstandes entscheiden", heißt es in einer E-Mail, die schon am Donnerstag an die Mitglieder versandt worden war. Auch in anderen Landesverbänden gibt es Bestrebungen, die Basis einzubeziehen. Unter dem Eindruck der Konflikte ist die AfD in der jüngsten Emnid-Umfrage auf den niedrigsten Wert seit Januar gefallen. In dem wöchentlich für die "Bild am Sonntag" erhobenen Deutschlandtrend kommt die Partei nur noch auf zehn Prozent (minus eins). Im jüngsten ARD-"Deutschlandtrend" war die AfD um drei Punkte auf 12 Prozent abgesackt, im ZDF-"Politbarometer" auf elf Prozent (minus eins).

Das Bundesamt für Verfassungsschutz und mehrere Landesämter prüfen laut "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zurzeit anhand öffentlicher Quellen, ob die AfD oder einzelne ihrer Strömungen beobachtet werden sollen. Schon jetzt seien Einzelpersonen im Visier. Der Leiter des bayerischen Verfassungsschutzes, Burkhard Körner, bestätigte dem Blatt, dass AfD-Politiker schon jetzt in Bayern beobachtet werden: "Dabei geht es um Bezüge zur rechtsextremistischen und islamfeindlichen Szene."

Meuthen und Petry versandten am Samstag ein Schreiben an die Parteimitglieder, in dem sie Übereinstimmung im Kampf gegen Extremismus demonstrieren. "Wir waren uns in der Frage der klaren Abgrenzung gegen Antisemitismus, Rassismus, Extremismus jeglicher Art immer einig", heißt es darin. Zugleich versicherten sie, dass die Partei weiter gemeinsam führen wollten.

Es ist eine existenzielle Frage, ob es uns gelingt, uns glaubhaft von Extremismus und Antisemitismus abzugrenzen.Jörg Meuthen, einer der Bundessprecher der AfD
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.