Michael Flynn
Trumps zwielichtiger General

Am 26. July 2014 hatte Generalleutnant Michael Flynn, Direktor des Militärgeheimdienstes, noch beim Aspen Security Forum in Aspen (US-Staat Colorado) gesprochen. Am 7. August 2014 ging er in den Ruhestand - nicht ganz freiwillig. Nun kehrt er als nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump zurück. Bild: Claudette Roulo/US-Verteidigungsministerium

Mit Michael Flynn hat Trump einen weiteren Hardliner in die Regierung geholt. Der General hat gute Kontakte nach Russland. Als nationaler Sicherheitsberater dürfte er sich vor allem eine Schwachstelle zunutze machen.

Washington. Der 7. August 2014 sollte ein denkwürdiger Tag für Michael Flynn werden. Fast 500 Gäste waren in das Hauptquartier des US-Militärgeheimdienstes DIA gekommen, um ihn als Direktor der Behörde zu verabschieden. Der Drei-Sterne-General ging ein Jahr eher als geplant - kein freiwilliger Schritt. Er war 55 Jahre - ein frühes Alter, um in den Ruhestand zu gehen. Es heißt, er sei aus dem Amt gedrängt worden. Flynn selbst fühlte sich nicht ernst genommen. Im Interview klagte er darüber, dass er wiederholt vor terroristischen Bedrohungen gewarnt habe, aber niemand auf ihn habe hören wollen.

Am Abend dieses 7. Augusts trat Präsident Barack Obama vor eine Kamera und erklärte, er habe den Befehl gegeben, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak aus der Luft anzugreifen. Flynn sollte sich in den Folgejahren zu einem scharfen Kritiker von Obamas Strategie entwickeln. Es klang verbittert. Der General war zum Außenseiter geworden.

Es ist nicht verwunderlich, dass er im Februar 2016 einwilligte, als der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump einen Berater für Sicherheitsfragen suchte. Flynn sollte sich zu einem der loyalsten Köpfe entwickeln. Während seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner stimmte er in einen Sprechchor ein, und schrie, Hillary Clinton gehöre eingesperrt.

An den Schalthebeln


Künftig sitzt der 57-Jährige an entscheidender Stelle im Weißen Haus. Als Trumps nationaler Sicherheitsberater ist er dessen engster und wichtigster Vertrauter, was Krisen, Konflikte betrifft. Egal, ob es um eine Eskalation im Südchinesischen Meer ginge, russische Aggressionen in Osteuropa oder um einen neuen Ebolaausbruch - der letzte Rat käme von Flynn. Trump hat keinerlei Erfahrung auf diesen Gebieten. Flynn dürfte daher enormen Einfluss haben.

Ihn als umstritten zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Er war ein geachteter Geheimdienstoffizier. Mehr als 30 Jahre diente er in der Armee. Einen Namen machte er sich vor allem als Kommandeur der Spezialkräfte im Irak, die sich mit seiner Hilfe zu einer tödlichen Maschinerie auf der Jagd nach Terroristen entwickelten. Im Irak und in Afghanistan saß er Terrorverdächtigen gegenüber, die um Jahre jünger waren als er. Damals sei er zu der Einsicht gelangt, dass diese Männer ein sehr tief verwurzeltes Glaubenssystem hätten, das für Amerikaner nur sehr schwer nachvollziehbar sei, sagte er im Jahr 2014. Später ging er so weit, den Islam als politische Ideologie zu bezeichnen, die sich hinter einer Religion verstecke. Er sprach von einem bösartigen Krebsgeschwür. Er erklärte, die Angst vor Muslimen sei rational. Mit Trump ist er sich einig, dass die Zuwanderung aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern eingeschränkt werden müsse.

Wie sehr ihm daran gelegen ist, die Zentrifugen amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik zu verschieben, zeigt sich vor allem beim Thema Russland. Flynn trat wiederholt dafür ein, die Eiszeit mit dem Kreml zu beenden und gemeinsam den IS zu bekämpfen. Er dürfte mit gemeint gewesen sein, als der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow am Donnerstag sagte, man nehme Verbindung zu Menschen in Washington auf, die dem neuen US-Präsidenten vermutlich helfen würden.

An Putins Seite


Eineinhalb Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Militärgeheimdienst saß Flynn während eines Dinners in Moskau neben Putin. Der staatliche Sender Russia Today feierte Jubiläum. Da war das schlechte Verhältnis zwischen Moskau und Washington wegen des Bürgerkriegs in Syrien gerade auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Flynn sagte, er habe an diesem Tag gelernt, dass Putin keinerlei Respekt für die US-Regierung habe. Ein Satz, den auch Trump immer wieder aussprach. Die "New York Times" meint, man könne nicht mehr unterscheiden, wo Trumps Ansichten endeten und wo Flynns Weltsicht beginne. "In Trump hat Flynn jemanden gefunden, der nur allzu gern bereit war, ihm zuzuhören."

Flynn war zwischenzeitlich auch als Trumps Verteidigungsminister gehandelt worden. Die Personalie hätte vom Senat bestätigt werden müssen, was mit seiner Vergangenheit vielleicht nicht ganz einfach gewesen wäre. Als nationaler Sicherheitsberater aber braucht er die Zustimmung nicht. Der 20. Januar 2017, der Tag der Amtseinführung von Trump, dürfte auch für Michael Flynn ein denkwürdiger Tag werden.

Der neuerliche Twitter-Krieg des künftigen PräsidentenInmitten seiner Regierungsbildung hat der künftige US-Präsident Donald Trump einen wütenden Twitter-Krieg gegen das Ensemble des Erfolgsmusicals "Hamilton" gestartet. Der Grund: Die Darsteller hatten sich am Ende einer Aufführung am Freitagabend (Ortszeit) auf der Bühne an den designierten Vizepräsidenten Mike Pence im Publikum gewandt und ihm eine mahnende Botschaft über die "amerikanischen Werte" mit auf den Weg gegeben.

Jetzt will Trump, dass sich Ensemble und Produzent bei Pence für das "schreckliche Verhalten" entschuldigen. Noch am Sonntagmorgen - vor einer Serie von Treffen mit Ministerkandidaten - schickte er einen zornigen Tweet los. Darin stellt er auch fest, dass das vielfach preisgekrönte Musical über die Gründungsväter der USA "wie ich höre, äußerst überbewertet wird".

Pence war bei seinem Besuch im Richard-Rodgers-Theater am Broadway teils mit Buhrufen empfangen worden. Als der bibelfeste und sozialkonservative Ex-Gouverneur nach der Aufführung den Saal verlassen wollte, wurde er von einer kraftvollen Stimme aufgehalten.

"Wir haben eine Botschaft für Sie, und wir hoffen, dass Sie uns anhören", rief Brandon Victor Dixon, der im Musical den Hamilton-Rivalen Aaron Burr verkörpert. Mit dem Ensemble im Rücken redete er dann Amerikas künftigem "Vize" ins Gewissen. "Wir sind das vielfältige Amerika - jene, die beunruhigt und ängstlich sind, dass Ihre neue Regierung uns, unseren Planeten, unsere Kinder und unsere Eltern nicht beschützen, uns nicht verteidigen und unsere unabänderlichen Rechte nicht aufrechterhalten wird", sagte Dixon. "Wir hoffen, dass diese Aufführung Sie dazu inspiriert hat, unsere amerikanischen Werte aufrechtzuerhalten und für uns alle zu arbeiten." (dpa)
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