Michael Müller statt Klaus Wowereit: Mitten in der Wahlperiode tauscht Berliner SPD ihre ...
Fliegender Wechsel in der Hauptstadt

Michael Müller (rechts) übernimmt am Donnerstag das Ruder der Hauptstadt vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (links). Bild: dpa
Der Führungswechsel in der Hauptstadt ist ein deutlicher Fingerzeig dafür, dass die alte Sportlerweisheit "Never change a winning team" für die Hauptstadt-Genossen mit Blick auf die nächste Abgeordnetenhauswahl 2016 nicht mehr gilt. Damit endet am Donnerstag die Ära Wowereit. Der Regierende Bürgermeister tritt nach dreizehneinhalb Jahren zurück. Zum neuen Chef der rot-schwarzen Koalition soll sein früherer Kronprinz, Stadtentwicklungssenator Müller (49), gewählt werden. Müller hatte schon einmal Wowereit beerbt - im Juni 2001 übernahm er von ihm den SPD-Fraktionsvorsitz im Abgeordnetenhaus.

Länger war nur Diepgen

Der Senator tritt kein einfaches Erbe an. Länger als Wowereit hatte nur dessen Vorgänger Eberhard Diepgen (CDU) die Stadt regiert. Im neuen Jahrtausend entwickelte sich die Hauptstadt unter Wowereits Führung zu einer Metropole, die junge Leute, Kreative und Unternehmen aus aller Welt anzog. Mit dem Bekenntnis zur Homosexualität und seiner offenen Art schaffte es Wowereit auf viele Titelseiten und in Talkshows. Der Tourismus boomt, die Wirtschaft ist wieder angesprungen, die Schuldenaufnahme wurde gestoppt. Berlin ist eine angesagte Kulturmetropole.

Unendliche Geschichte

Aber ausgerechnet sein Prestigeprojekt hat Wowereit das Image vermasselt: Die unendliche Geschichte des bisher verhinderten Hauptstadtflughafens ließ seinen Stern rapide verglühen. Als Aufsichtsratschef wurde ihm eine erhebliche Mitschuld an der Misere angelastet. Sein Popularitätsschwund zog auch die Berliner SPD in den Umfragen herunter.

Müller soll es nun richten. Nach drei Wahlsiegen unter Wowereit soll der bundesweit unbekannte Politiker der SPD zum vierten Erfolg verhelfen. Er will keine Kopie sein: "Das geht gar nicht - und ich habe meinen eigenen Stil", betont Müller. Er setzt deshalb weniger auf den Glamourfaktor, sondern auf Verlässlichkeit und Zuhören. Ihm gehe es um einen "neuen Stil der Politik, der von Ernsthaftigkeit, Sachlichkeit und Dialog geprägt" sei, sagte er. Das kann bei seinen Berliner wie bundesweiten Verhandlungspartnern gut ankommen, die Wowereit eine gewisse Schnoddrigkeit vorhielten.

Gleich nach seiner Vereidigung am Donnerstag wartet auf Müller ein dicker Brocken. Die Ministerpräsidenten der Länder verhandeln mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs. Am Freitag tagt dann der Aufsichtsrat des Flughafens. Müller will nicht kneifen und Verantwortung in dem Kontrollgremium des Projektes übernehmen. Er muss nun "das größte Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland" zum Start bringen.
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