Migration
Balkanroute könnte für Flüchtlinge bald dicht sein

Athen/Skopje. In Griechenland und dem südlichen Balkan zeichnet sich eine massive Verschärfung der Flüchtlingskrise ab. Mazedonisches Militär zog weitere mit Stacheldraht bewehrte Zäune an der Grenze zu Griechenland hoch. Sie sollen nach dem Willen der Verantwortlichen in Skopje die Flüchtlinge stoppen, die immer noch zu Tausenden die lebensgefährliche Bootsfahrt von der Türkei über die Ägäis nach Griechenland wagen und von dort über den Balkan nach Westeuropa gelangen möchten.

Nato-Schiffe im Einsatz?


Bei einer Schließung der Balkanroute könnten Zehntausende Migranten in Griechenland festsitzen. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras versicherte im Fernsehen, bis nächste Woche werde Athen seine Verpflichtungen zum Bau von Flüchtlings-Registrierzentren - sogenannte Hotspots - erfüllt haben. Damit die Flüchtlinge gar nicht erst übers Meer nach Griechenland kommen, schlug Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Einsatz von Nato-Schiffen vor. Sie sollten in dem Seegebiet zwischen Türkei und Griechenland die Schleuserbanden bekämpfen.

Druck aus Brüssel


Mit Druck will unterdessen die EU-Kommission Fortschritte in der Flüchtlingskrise erreichen. Gegenüber Deutschland und sechs anderen Staaten verschärft die Behörde die Gangart: Sie erwarte binnen zwei Monaten Verbesserungen im Asylsystem. An die Adresse Ankaras sagte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Mittwoch in Brüssel: "Wenn die Türkei nicht anfängt zu liefern, was wir vereinbart haben, wird es sehr, sehr schwierig, mit der Situation fertig zu werden."

Lobend hob die Behörde hervor, dass inzwischen 78 Prozent der Flüchtlinge per Fingerabdruck registriert werden - gegenüber nur 8 Prozent im September. In Italien liegt die Quote inzwischen bei 87 Prozent. Zugleich drängte Avramopoulos darauf, dass sein Heimatland Griechenland die Versorgung von Flüchtlingen deutlich verbessern müsse.
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