Milizen vor der Erstürmung der Terrorhochburg Sirte
IS in Libyen vor dem Aus

Noch im Mai sorgte sich die Welt vor der angeblichen Macht der Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen. Nur wenige Monate später scheint der Sieg über die Dschihadisten nun kurz bevor zu stehen.

Tripolis. Milizen in der libyschen IS-Hochburg Sirte bereiten sich auf die Erstürmung der letzten Bastion der Terrormiliz in dem Bürgerkriegsland vor. Nach der Einnahme des vorletzten Stadtteils unter Kontrolle des Islamischen Staates liefen die Vorbereitungen für einen Angriff auf den "Bezirk 3" Sirtes, teilte die Militärführung am Dienstag mit. Dabei handelt es sich um eine dicht besiedelte Wohngegend im westlichen Teil der Innenstadt.

Noch sei allerdings unklar, wann die womöglich letzte Offensive auf die eingekesselten Dschihadisten beginnen werde, auch weil die Krankenhäuser der Region durch die verlustreichen Kämpfe der vergangenen Tage voll seien.

Seit Sonntag hatten heftige Gefechte und mindestens ein Dutzend Autobomben - die vermutlich von Selbstmordattentätern gezündet wurden - 48 Anti-IS-Kämpfer getötet und mehr als 200 verletzt. Angaben über tote Extremisten machte der Führungsstab in der Stadt Misrata nicht. Nach der Eroberung des "Bezirk 1" am Montag suchten Bomben- Entschärfer das Gebiet am Dienstag nach möglichen Sprengfallen der Dschihadisten ab.

Umkämpftes Sirte


Milizen unter Führung der Einheitsregierung in Tripolis hatten im Mai eine Offensive gegen die Dschihadisten gestartet, nachdem das IS-Einflussgebiet in Zentrallibyen auf etwa 300 Kilometer Länge angewachsen war. Innerhalb weniger Wochen rückten Truppen von allen Seiten auf das Zentrum Sirtes, das als inoffizielle Hauptstadt des IS in Libyen gilt, vor. Die USA unterstützen die Kämpfer am Boden mit Luftangriffen und Geheimdienstinformationen.

Die vollständige Eroberung Sirtes wäre eine schwere Niederlage für die Terrormiliz Islamischer Staat, die auch in ihren Kernländern Syrien und dem Irak unter Druck steht. Dabei war der IS-Ableger noch vor wenigen Monaten als mächtigster Außenposten der Dschihadisten bezeichnet worden. Westliche Militärmächte schätzen bis zu 6000 Extremisten in dem Gebiet. Eine Zahl, die Kämpfer und Verantwortliche vor Ort als viel zu hoch zurückweisen.

Währenddessen weitet die EU die Militäroperation "Sophia" vor der libyschen Küste aus. Die Mitgliedstaaten gaben am Dienstag den Auftrag, mit der Ausbildung von libyschen Küstenschutz-Kräften zu beginnen. Europäische Kriegsschiffe werden künftig auch den Waffenschmuggel in Richtung Libyen bekämpfen.

Deutschland hat angeboten, ein Ausbildungsteam der Bundeswehr für das Trainingsprogramm für die libyschen Küstenschutz-Kräfte zu stellen. Von einer Unterstützung der libyschen Küstenwache erhofft sich die EU vor allem eine Eindämmung der illegalen Einwanderung aus Afrika. Als Folge des Bürgerkriegs gibt es in Libyen derzeit keinen funktionierenden Grenzschutz. Allein in diesem Jahr kamen bereits mehr 100 000 Menschen über die zentrale Mittelmeerroute illegal nach Europa.
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