Milos Zeman wollte unbedingt bei der Siegesparade in Moskau dabei sein, jetzt muss er unter ...
Schlag ins Gesicht des Prager Burgherrn

Der tschechische Präsident Milos Zeman legte eine Kehrtwende hin und nimmt nicht an der Moskauer Parade teil, angeblich aus freien Stücken. Allerdings war er schwer unter Druck geraten und hatte mit dem Hausverbot für den amerikanischen Botschafter für einen Eklat gesorgt. Archivbild: dpa
Hynek Kmonícek war arm dran. Am Mittwoch noch bemühte sich der Außen-Experte von Tschechiens Präsident Milos Zeman im Prager Sender "Radiožurnál" zu erklären, weshalb sein Chef am 9. Mai unbedingt in Moskau an der Siegesparade zum 70. Jahrestag des Kriegsendes teilnehmen wolle. Zwei Tage später musste er besagter Radiostation erläutern, weshalb nun alles ganz anders ist. Zeman hat entschieden, den russischen Truppen auf dem Roten Platz dann doch lieber nicht zuzuwinken, die womöglich eigens für die Parade aus Kampfgebieten in der Ost-Ukraine abkommandiert wurden. Er wird in dieser Zeit nunmehr den slowakischen Premier Robert Fico treffen.

Aus "freien Stücken"

Zeman habe diese Entscheidung aus "freien Stücken" getroffen, behauptete der Berater am Freitag nassforsch. Wer diese Erklärung gehört hat, dürfte laut gelacht haben. Zeman wollte unbedingt auf den Roten Platz. Das gebiete das Andenken an die bei der Befreiung der Tschechoslowakei gefallenen Rotarmisten, hatte er wochenlang erklärt. Ohne den Opferwillen der Sowjetarmee müsste man heute in Tschechien womöglich Deutsch sprechen, sagte er. Ignorierend, dass selbst in den zahlreichen deutschen Firmen in Tschechien heute nicht Deutsch, sondern vorrangig Englisch gesprochen wird. Der 70-jährige Präsident, bei jeder Journalistenfrage zu diesem Thema finster blickend, wurde für seine Halsstarrigkeit im eigenen Land gescholten. Es gehe nicht an, einem Regime zu huldigen, das mit imperialen Ansprüchen neuerlich die europäische Sicherheitsarchitektur bedrohe, hieß es. Zeman, ließ das gewohnt dickköpfig an sich abprallen. Einmal mehr kam da seine Ansicht zum Vorschein, dass er als erster direkt vom Volk gewählter tschechischer Präsident über der Verfassung stehe und tun könne, was er wolle.

Bruch mit den USA

Zeman ließ sich auch vom Prager US-Botschafter nicht reinreden, der die Absicht des Präsidenten als "ziemlich heikel" bezeichnet hatte. Immerhin würde Zeman als einziger Staatschef aus dem Westen der Parade beiwohnen, nur begleitet von Leuten wie dem dubiosen Staatschef Nordkoreas, Kim Jong Un. Zeman stampfte da kräftig mit dem Fuß auf und verbot dem Diplomaten des wichtigsten Verbündeten, vorerst auf der Prager Burg vorstellig zu werden. Der Eklat mit Washington war beispiellos. Zumal sich tags darauf die Sprecherin des US-Außenamtes inhaltlich voll hinter ihren Botschafter stellte.

Dies und die Ankündigung, dass es in der Prager Regierung womöglich Gegenstimmen gegen Zemans ursprüngliche Absicht geben werde, hat ihn nun zur Rolle rückwärts bewogen. Obama wird ihn in seiner Amtszeit trotzdem wohl nicht mehr empfangen, was für den Egomanen Zeman so wichtig gewesen wäre.
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