Ministerpräsidentinmit Selfie-Tagebuch
Volle Kraft voraus

Das Video-Tagebuch von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf Youtube sorgt für Gesprächsstoff. Bild: dpa

Düsseldorf. Eine müde, ungeschminkte Hannelore Kraft sitzt in ihrem Dienstwagen, morgens kurz vor neun, auf dem Weg nach Düsseldorf. Post und Zeitungen stapeln sich auf dem Sitz neben ihr. "Erst mal muss ich gucken, dass ich klarkomme", sagt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin in die Kamera, die sie selbst hält.

Auftakt zu einer Video-Serie, die inzwischen fünf Episoden umfasst und einen ungeschönten Einblick ins Alltagsleben der SPD-Spitzenpolitikerin geben soll. Der Youtube-Zuschauer ist dabei auf Tuchfühlung. Das ungewöhnliche Video-Tagebuch-Experiment - ein vergleichbares Format ist von keinem anderen Regierungschef in Deutschland bekannt - löst unterschiedliche Reaktionen aus. "Gut" oder "witzig" loben Stimmen im Netz. Tausende haben die Kraft-Selfie-Videos angeklickt. Einer meint: "Von Ihrer Idee sollten sich alle Politiker (...) eine Scheibe abschneiden". Jemand schreibt: "Ich finde, dass den Menschen bewusst wird, wie viel Arbeit und Aufwand hinter so einem Amt steckt." Kritisch heißt es dagegen: "Gut gemeint, aber schlecht gemacht (...) Könnten böse Zungen jetzt hochrechnen und sagen, dass trifft auch auf die Politik von Frau Kraft zu."

Kommunikationsexperte Frank Marcinkowski von der Uni Münster sagt zu dem Video-Tagebuch: "Es soll Authentizität vermitteln, aber das Ganze ist natürlich dennoch inszeniert, denn sie entscheidet ja, wann sie die Kamera ein- und ausschaltet und was sie sagt." Der Wissenschaftler glaubt: "Es gereicht ihr nicht zum Vorteil."
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