Missverständnis oder gezielter Tabubruch?
Trump fantasiert über Schüsse auf Clinton

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump (Archivbild vom Oktober 2015) ist für seine Ausfälle bekannt. Jetzt hat er mit einer Aussage, die man auch als Aufruf verstehen konnte, mit Waffengewalt gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton vorzugehen, für mächtig Wirbel gesorgt. Bild: dpa

Donald Trump hat schon häufig mit provokanten Aussagen für Entsetzen gesorgt - aber noch nicht so. Eine mehrdeutige Äußerung interpretieren viele als Gewaltaufruf gegen Hillary Clinton. Trump beteuert, er habe es nicht so gemeint.

Wilmington. Donald Trump hat mit einer mehrdeutigen Äußerung erneut einen Aufschrei in den USA ausgelöst. Clinton wolle den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, in dem das Recht auf Waffenbesitz verankert ist, sagte Trump in Wilmington (North Carolina). Als Präsidentin wäre sie bei der Abschaffung nicht aufzuhalten, da sie entsprechende Richter für den Obersten Gerichtshof nominieren könne, sagte er und fügte hinzu: "Da kann man nichts machen, Leute. Obwohl - (es gibt da) die Leute des Zweiten Verfassungszusatzes, vielleicht gibt es doch etwas (das man tun kann). Ich weiß es nicht."

Die Äußerung am Dienstag (Ortszeit) wurde beim politischen Gegner, in der eigenen Partei und in Medien auch als Aufruf interpretiert, Gewalt gegen Hillary Clinton anzuwenden. Paul Ryan, als Vorsitzender des Abgeordnetenhauses derzeit ranghöchster Politiker der Republikaner, sprach von einem "schiefgegangenen Witz". Trump müsse das aus der Welt schaffen. Trump selbst erklärte später auf Twitter: "Was ich meinte, war: Die Verteidiger des zweiten Verfassungszusatzes müssen sich zusammentun und wählen gehen."

Das Lager von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton reagierte wutentbrannt. "Eine Person, die das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten anstrebt, sollte in keiner Form zu Gewalt anregen", erklärte der Wahlkampfmanager der Demokraten-Kandidatin, Robby Mook. In den sozialen Netzwerken entwickelte sich ein Sturm der Entrüstung. Bernice King, die jüngste Tochter des 1968 ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King, nannte Trumps Äußerungen auf Twitter "verstörend und gefährlich". Der frühere Republikaner-Politiker Joe Scarborough forderte die Republikaner auf, Trump als Kandidaten fallen zu lassen. "Eine blutige rote Linie ist überschritten."

Die im Jahr 2011 durch einen Kopfschuss schwer verletzte Kongressabgeordnete der Demokraten, Garbrielle Giffords, twitterte, Trump erstaune die Amerikaner zwar ständig, man müsse aber eine Grenze zwischen politischer Rede und Anregung zu Gewalt ziehen. Wenn Kandidaten Gewalt bejahten, "sollten wir befürchten, dass Gewalt folgt".
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