Modell Abschreckung oder Flüchtlinge als Nettozahler?

"I lass'ma scho was ei'geh'", belauscht man im Vorbeigehen im Supermarkt unfreiwillig das Grüppchen, das sich über das vermeintliche Füllhorn für die Asylbewerber aufregt. "Denen steckt man's doch hinten rein." Schön wär's, möchte man lieber wünschen, dass das Geld bei denen ankommt die's brauchen. Doch die beträchtlichen Summen, die jetzt im Raum stehen, dienen keineswegs dem Aufbau von Reichtümern afghanischer, ukrainischer oder syrischer Flüchtlinge.

Ein guter Teil dient dem Aufbau einer - zugegeben - notwendigen Bürokratie, um den Ansturm zu bewältigen. Ein beträchtlicher Teil der Kosten aber könnte eingespart werden, wenn sich Politik und Behörden bewegen würden: Durch den Umzug aus sündteuren Baracken in günstige Wohnungen und durch flexibel ausgestellte Arbeitserlaubnisse könnte der Staat langfristig Milliarden einsparen. Flüchtlinge, die arbeiten und in Sozialkassen einzahlen, werden so zu Nettozahlern der Flüchtlingskrise - Integration inbegriffen.

Das Modell Abschreckung vergeudet nicht nur Steuergelder, es birgt Gefahren. Traumatisierte Flüchtlinge und Menschen auf der Suche nach Perspektiven in Sammelunterkünften zu ghettoisieren, schafft Frustration und Isolation. Das sollte man nach über 50 Jahren "Gastarbeiter"-Erfahrung gelernt haben. Menschen integrieren sich dort, wo sie willkommen sind.

juergen.herda@derneuetag.de
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