Mordverdacht: Silvia L. geht an die Öffentlichkeit
"Habe nichts zu verbergen"

Silvia L. und ihr Rechtsanwalt Robert Hankowetz stehen vor dem Bürofenster, durch das der Täter in das Haus gelangte und Dieter Loew mit einem stumpfen Schlagwerkzeug im Kopfbereich so schwer verletzte, dass er vier Wochen später starb. Bild: Völkl

Wernberg-Köblitz. Silvia L (52) und Tobias S. (25) stehen unter Mordverdacht, sind aber auf freiem Fuß. Rechtsanwalt Robert Hankowetz konfrontiert jetzt die Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf, dass einseitig ermittelt werde.

"Ich habe nichts zu verbergen", betont Silvia L. Sie breitet Ehe- und Darlehensverträge aus.
Das Haus, in dem Dieter Loew (76) am 22. Dezember letzten Jahres bei einem Raubüberfall so schwer verletzt wurde, dass er vier Wochen später starb, stand nach der Tat drei Monate unter Verschluss. Am 16. März wurde es der getrennt lebenden Ehefrau übergeben. Drei Tage später rückte ein Großaufgebot an Polizei an, durchsuchte die Wohnung ihres Freundes in Weiden, die Wohnsitze von Silvia L. in Wernberg-Köblitz, Lochau und Zürs (Österreich).

Ein Schreiben und Fragen

"Es geht um Mord, das ist der schlimmste Tatvorwurf, den es in der deutschen Strafverfolgung gibt. Das wird mit lebenslänglich geahndet", so Rechtsanwalt Robert Hankowetz (Regensburg) zur Tragweite des Vorwurfs und den Schritt seiner Mandantin, an die Öffentlichkeit zu gehen. Hankowetz hat ein sechsseitiges Schreiben an die Staatsanwaltschaft gerichtet - mit einer Intention: Dass gemäß der gesetzlichen Richtlinien "nicht nur gegen, sondern auch für den Beschuldigten ermittelt wird".

Hankowetz macht darauf aufmerksam, dass weder aus dem Werkzeugschuppen und -wagen von Tobias S.' Vater, noch aus einer Garage, die Tobias. S. 150 Meter vom Tatort entfernt besitzt, irgend etwas beschlagnahmt wurde. Silvia L. habe als Beschuldigte das Recht, "dass ausgeschlossen wird, dass ein Tatwerkzeug aus ihrem persönlichen Umfeld herrührt". Hankowetz möchte entsprechende Analysen.

"Noch Glasscherben"

Als "nicht nachvollziehbar, ja dramatisch" bezeichnet er die Geschehnisse um die Hausfreigabe. Bei der Übergabe am 16. März seien noch Glasscherben vom Einbruch auf dem Boden gelegen. Drei Tage später sei das Anwesen, "das von Tatspuren nur so strotzte", dann durchsucht und nach Spurenanhaftungen an der Kleidung gesucht worden. Das findet Hankowetz "so nicht in Ordnung". Zumal auch der Durchsuchungsbeschluss von 11. März, also vor der Freigabe des Hauses, datiere.

Der Rechtsanwalt moniert zum Teil fehlende Sicherstellungsprotokolle, eine unvollständige Asservatenliste. Zudem sei in einer Wohnung seiner Mandantin ein fünfstelliger Barbetrag sichergestellt worden, der nicht im zeitlichen Tatzusammenhang stehen könne. Die Betriebsanleitung für den Tresor sei beschlagnahmt worden. Es sei nicht auszuschließen, dass Untersuchungszeugen den Schließ-Code kennen. Auch Pin- und Tan-Unterlagen seien mitgenommen worden.

Kein Geld für die Geliebte

Dann kommt Silvia L. zu der "Sache mit dem Millionen-Darlehen". Als sie den Ermittlern gegenüber bereitwillig die familiären und wirtschaftlichen Beziehungen dargestellt habe, sei auch eine größere Abhebung vom Konto ihres Mannes zur Sprache gekommen. Das Darlehen sei über ihre Stiefkinder in die Firma geflossen und nicht an die Freundin ihres Mannes, wie im Durchsuchungsbeschluss zu lesen sei.

Als mögliches Tatmotiv wird Silvia L. nämlich vorgehalten, dass sie weitere finanzielle Zuwendungen an die Geliebte ihres Mannes, die das Erbe ihres Sohnes zu schmälern drohten, unterbinden wollte. "Im Beschluss steht was Falsches drin", so Silvia L. hinsichtlich der Verträge aus dem Jahr 2013.

Sie selbst erbe nichts, habe sich mit Hilfe ihres Mannes in den 30 Jahren ihrer Ehe ein wirtschaftliches Standbein aufgebaut. Ihrem Freund wird als Tatmotiv eine "erhebliche finanzielle Notlage" infolge von Steuernachzahlungsforderungen vorgehalten. Laut Silvia L. sei der Betrag weitaus geringer. Zudem verfüge Tobias S. über Eigentum. Auch von Dieter Loew werde ein falsches Bild gezeichnet. Er habe Rollator und Rollstuhl benutzt, sei jedoch in der Lage gewesen, sich mit Einschränkungen alleine zu bewegen. Er sei regelmäßig außer Haus unterwegs gewesen.

"In alle Richtungen"

Silvia L. und ihr Rechtsanwalt befürchten, "dass nicht umfangreich in alle Richtungen" ermittelt werde. Die im Nebenhaus wohnende Pflegerin habe beispielsweise hin und wieder Besuch gehabt und am Gartenzaun gebe es eine verbogene Stelle. "Wir möchten, dass sich im Raum stehende Behauptungen nicht verfestigen", fassen Robert Hankowetz und Silvia L. die Beweggründe, an die Öffentlichkeit zu gehen, zusammen.
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