Moskau und Athen: Freunde in Zeiten der Krise

Griechenland flüchtet sich in die Arme der Gas-Großmacht Russland. Durch den Bau einer neuen Pipeline soll Athen von 2019 an jährlich Hunderte Millionen Euro an Gebühren für die Weiterleitung von russischem Gas einnehmen. Und auch sonst rücken Russland und das chronisch klamme EU-Land in Krisenzeiten auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg zusammen. Einige Fragen und Antworten zu den Beziehungen der Länder:

Ist Russland die Rettung für Griechenland?

Moskau hat immer betont, dass das Finanzproblem der Griechen klare EU-Angelegenheit ist. Aber sie haben angeboten, finanzielle Hilfe zu prüfen, sollte das Land darum bitten. Vor allem bietet Russland dem pleitebedrohten EU-Mitglied eine dauerhafte Einnahmequelle - durch den Transit von Gas Richtung Westen. Die Russen wollen mit einem Milliardenkredit helfen, die geplante Pipeline Turkish Stream auf griechischem Gebiet zu verlängern.

Welche Interessen verfolgt Russland bei der Zusammenarbeit mit Griechenland?

Bei dem Projekt geht es in erster Linie darum, die Ukraine als bisher wichtigstes Transitland für russisches Gas in die EU zu ersetzen. Russland von 2020 an kein Gas mehr durch das krisengeschüttelte Nachbarland pumpen. Moskau sieht Athen aber auch als Verbündeten, um die Sanktionspolitik der EU gegen Russland zu bremsen. Russland könnte künftig das wegen der EU-Sanktionen verhängte Importverbot für westliche Lebensmittel lockern - und etwa wieder griechische Pfirsiche und andere Früchte auf seinem Markt zulassen.

Welche Kontakte bestehen zwischen der Links-Rechts-Regierung und Moskau?

Viele und enge. Zahlreiche ältere Funktionäre des linken Flügels der Linkspartei Syriza waren in jungen Jahren Mitglieder der Kommunistischen Partei. Sie studierten in der damaligen Sowjetunion. Gute Beziehungen pflegt besonders Energieminister Panagiotis Lafazanis. Einst war er einer der engsten Mitarbeiter des damaligen Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE).

Griechenland ist Mitglied der Nato und der EU. Wie reagiert Athen auf Kritik an der Beziehungen zu Russland?

Das griechische Außenministerium betont die "multidimensionale" Ausrichtung der Politik. "Genauso wie Deutschland seine Beziehungen zu anderen Ländern ausbaut, pflegen wir auch unsere", sagte ein hoher Diplomat kurz vor der Reise von Regierungschef Alexis Tsipras nach St. Petersburg. Es zeichnet sich aber kein Kurswechsel des EU-Landes ab. Griechenland ist nach Darstellungen von Diplomaten so eng mit der EU und dem Euro-Raum verflochten, dass eine Kursänderung Richtung Russland katastrophale Folgen für das Land haben könnte.

Auch die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen sehen in Russland einen Verbündeten. Ihre Sympathie hat hauptsächlich religiöse Gründe. Die beiden Nationen verbinde der christlich-orthodoxe Glaube, betonen sie. Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos hebt gern hervor, wie wichtig die Beziehungen zu Moskau seien und wie bedeutend der Kauf russischer Waffen für Athen sei. (dpa)
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