Mythos Josef Stalin

Der Kult um den vor 62 Jahren gestorbenen Sowjetdiktator Josef Stalin ist in Russland alljährlich rund um den 9. Mai unübersehbar. Historiker beklagen, dass die Verehrung des Despoten zunehme. Nach Jahren der Aufklärung sind die Archive, die Stalins Verbrechen dokumentieren, wieder verschlossen. Stalins Todeslager - der Gulag -, Erschießungen, Hungersnot, die ganze brutale Unmenschlichkeit der Stalinzeit komme in Debatten nicht vor, monieren Menschenrechtler. Stattdessen überstrahlt der Sieg über den Hitler-Faschismus alles.

Nach Umfragen nehmen immer mehr Russen den Diktator wieder positiv wahr. Rund 52 Prozent hielten seine Rolle in der Geschichte für gut, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Lewada. Noch vor 15 Jahren hätten 60 Prozent der Russen den Despoten negativ eingeschätzt. Warum in Russland so viele dem am 5. März 1953 gestorbenen Massenmörder nachtrauern, wird seit langem debattiert. Der Leiter des Staatsarchivs, Sergej Mironenko, sieht viel Nachholbedarf in Sachen Aufklärung: "Unsere Gesellschaft möchte die grausame Wahrheit über die Vergangenheit aber gar nicht wissen." (dpa)
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