Nach Anschlägen in Ankara
Türkei will Vergeltung

Istanbul. Die türkische Regierung hat die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und ihren bewaffneten syrischen Ableger YPG für den verheerenden Anschlag von Ankara verantwortlich gemacht. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Donnerstag, ein 1992 in Syrien geborener Selbstmordattentäter der YPG habe die Tat mit Unterstützung der "separatistischen Terrororganisation" PKK verübt. Sowohl die PKK als auch die YPG dementierten eine Beteiligung.

Davutoglu sagte, bei den Todesopfern handele es sich um 27 Soldaten und einen Regierungsmitarbeiter. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt. Der Angriff vom Mittwoch galt Soldaten, die im Regierungsviertel von Ankara in einem Bus-Konvoi der Armee unterwegs waren. Laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wurden 14 Menschen in Verbindung mit dem Anschlag festgenommen. Die Verantwortlichen seien durch "Informationen und Belege" des "Innenministeriums und der Geheimdienste" ausfindig gemacht worden, sagte er.

Die Gewalt im Kurdenkonflikt in der Türkei eskalierte unterdessen weiter. Nach dem Selbstmordattentat in Ankara wurden bei einem mutmaßlichen PKK-Bombenanschlag auf die Armee in der Südosttürkei mindestens sechs Soldaten getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Die türkische Luftwaffe flog nach dem Anschlag Bombenangriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. Davutoglu sagte, dabei seien 70 PKK-Kämpfer getötet worden, darunter Anführer der Organisation. Davutoglu kündigte Vergeltung für den Anschlag von Ankara an. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Damaskus. "Die YPG ist eine Marionette des syrischen Regimes, und das syrische Regime ist direkt verantwortlich für diesen Anschlag. Wir behalten uns das Recht vor, jede Art von Maßnahme gegen das syrische Regime zu treffen."

Die syrische Kurdenpartei PYD - deren bewaffneter Arm die YPG ist - wies jede Verantwortung für den Anschlag zurück. PKK-Kommandeur Cemil Bayik sagte der PKK-nahen Agentur Firat zu dem Anschlag: "Wir wissen nicht, wer das getan hat. Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein." Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte mit Davutoglu und Erdogan und sicherte der Türkei Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus zu. Den Familien der Opfer sprach sie ihre Anteilnahme aus.
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