Nach Anschlag tödliche Schüsse auf Zivilisten

Weitgehend zerstört ist das erst im Juni 2013 eröffnete deutsche Konsulat in Masar-i-Scharif. Das Personal zog in ein etwa zehn Kilometer entferntes Bundeswehr-Lager um. Bild: dpa

Taliban zünden vor dem deutschen Generalkonsulat in Afghanistan eine Autobombe. Am Tag darauf erschießt die Bundeswehr zwei Männer, angeblich Zivilisten. Doch viele Fragen sind noch nicht geklärt.

Masar-i-Scharif. Nach dem Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif hat die Bundeswehr in der nordafghanischen Stadt zwei Motorradfahrer erschossen. Die beiden Männer sollen sich am Freitag über die Aufforderung, sofort anzuhalten, hinweg gesetzt haben. Zuvor waren beim Angriff von radikal-islamischen Taliban-Milizen auf das Konsulat mindestens vier Menschen getötet und 128 verletzt worden. Die Vereinten Nationen berichteten, dass unter den Verletzten auch 19 Frauen und 38 Kinder seien.

Unklar war zunächst, warum die Motorradfahrer nicht anhielten. Der Sprecher des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz, Munir Farhad, sagte, die beiden Männer seien Zivilisten gewesen und nicht, wie von den deutschen Soldaten befürchtet, weitere Taliban-Angreifer. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte dazu in Berlin, die Lage sei "noch nicht vollständig geklärt". Die Motorradfahrer seien trotz Warnschüssen weitergefahren.

Die schwer beschädigte Auslandsvertretung muss nun vermutlich auf Monate hinaus geschlossen bleiben. Das Personal - etwa zwei Dutzend Diplomaten und andere Mitarbeiter - wurde in ein etwa zehn Kilometer entferntes Bundeswehr-Lager in Sicherheit gebracht. Alle Deutschen blieben unverletzt. Bei der Abwehr des Angriffs wurden nach Einschätzung der Bundesregierung keine Fehler gemacht. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, dass bei der Operation "aus derzeitiger Sicht vieles sehr gut gelaufen ist". Der Überfall löste aber neue Sorgen über die Entwicklung in Afghanistan aus. Die Bundesregierung will das deutsche Engagement nochmals auf den Prüfstand stellen. Masar-i-Scharif galt bislang als verhältnismäßig sichere Stadt. Das Konsulat wurde erst im Juni 2013 eröffnet. (Seite 3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.