Nach Atom-Einigung hofft deutsche Wirtschaft auf zunehmende Geschäfte
Gabriel lotet Chancen im Iran aus

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, links) wurde in Teheran vom Vize-Ölminister Amir Hossein Zamaninia begrüßt. Bild: dpa
Nach der Atom-Einigung mit dem Iran besucht Vizekanzler Sigmar Gabriel als erster westlicher Spitzenpolitiker Teheran, um wirtschaftliche Kooperationschancen auszuloten. Der SPD-Politiker traf am Sonntag mit einer Wirtschaftsdelegation in der iranischen Hauptstadt ein, wo er heute unter anderem Präsident Hassan Ruhani treffen will.

Das Atom-Abkommen von Wien habe die Basis für die Normalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Iran geschaffen, sagte der Wirtschaftsminister vor dem Abflug. "Voraussetzung dafür ist, dass die im Abkommen vorgesehenen Schritte jetzt umgesetzt werden." Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, hat aber noch immer kein Vertrauen zu den USA. "Unsere Politik in der Region steht immer noch im Widerspruch zu der amerikanischen", sagte er in einer Rede. Das betrifft besonders Irans Haltung gegenüber dem "Erzfeind" Israel. Gabriel will in Teheran eine Vermittlerrolle Deutschlands im Konflikt zwischen Iran und Israel anbieten. Er werde darauf dringen, dass die iranische Regierung das Existenzrecht Israels anerkennt, sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Iraner versuchen gar nicht, die Tatsache zu verstecken, dass sie die Hunderte von Milliarden, die sie mit diesem Abkommen bekommen werden, zur Finanzierung ihrer Terrormaschinerie missbrauchen werden."

Gabriel ist das erste Kabinettsmitglied seit 13 Jahren, das den Iran besucht. Zuletzt war der damalige Finanzminister Hans Eichel 2002 in Teheran. Ein Jahr später begann der Streit über das Nuklearprogramm Irans und damit eine Eiszeit in den deutsch-iranischen Beziehungen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte den Besuch als "Signal der Ermutigung" an die deutschen Unternehmen. Der DIHK geht davon aus, dass die deutschen Exporte in den Iran binnen vier Jahren von 2,39 Milliarden im Jahr 2014 auf 10 Milliarden Euro gesteigert werden können.
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