Nach Babyleichen-Fund: 21-Jährige hat bereits zwei Kinder - Buben im engeren Familienkreis ...
"Psychischer Ausnahmezustand"

Neustadt/WN. (esc) Am Montag verbreitete sich die Nachricht über den Tod eines Säuglings im Landkreis rasend schnell. Eine 21-Jährige hatte auf der Toilette eines Verbrauchermarktes ein Kind zur Welt gebracht und anschließend in den Container geworfen (wir berichteten). Die Obduktion des Babys hat ergeben, dass es lebend geboren wurde. Es war ein Mädchen.

Neue Medien nutzen

"Ich habe keine Ahnung, wie so etwas passieren kann", zeigt sich Elisabeth Schieder von Donum Vitae am Dienstag bestürzt. Die Leiterin der Beratungsstelle in Weiden sei erschüttert gewesen, als sie am Dienstagmorgen die Zeitung aufgeschlagen habe. "An sich sind die Beratungsstellen ja bekannt." In der Tageszeitung werde immer wieder auf die Organisation hingewiesen, Schieder und ihr Team betreiben rege Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit. "Ich habe mich allerdings heute gefragt: Reicht die Zeitung aus?", sagt sie. "Das muss noch bekannter werden."

Vielleicht müsse man einfach auch die neuen Medien dafür nutzen, überlegte sie im Gespräch mit dem "Neuen Tag". Für die Frauen, die während ihrer Schwangerschaft lieber unbekannt beraten werden möchten, gibt es die Möglichkeit der anonymen und vertraulichen Geburt. Auch eine Online-Beratung ist laut Schieder möglich.

Sie spricht von einem "psychischen Ausnahmezustand", wenn eine Frau eine solche Tat begeht. "Man denkt sich schon, dass das eine schwierige Situation ist", gibt Schieder zu bedenken. "Ich möchte mir da kein Urteil erlauben." Vor allen Dingen, wenn nichts zu den Umständen bekannt sei.

Genug Angebote

"Was muss wohl passieren, wenn man mit niemandem über die Schwangerschaft sprechen kann?", fragt sich die Leiterin. Der Arbeitgeber der Landkreisbewohnerin hat nach eigener Aussage nichts von der Schwangerschaft seiner Mitarbeiterin gewusst. Die 21-Jährige war bereits in der 35. Woche - "eigentlich hätte sie da ja schon in Mutterschutz sein müssen". Anscheinend wüssten manche Frauen nicht, was zu tun sei. "Hilfsangebote gäbe es genug. Im besten Fall wendet sich die Frau schon während ihrer Schwangerschaft an eine Beratungsstelle."

Nachdem die Einsatzkräfte am Montagnachmittag die Babyleiche entdeckt hatten, schalteten sie das Jugendamt ein, wie Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamtes, erzählt. Denn die 21-Jährige hat bereits zwei Kinder, zwei und fast vier Jahre alt. Die Buben sind "bei einer Bezugsperson aus dem engeren Familienkreis" untergebracht, sagt Prößl.

Je nachdem, wie lange die Mutter in Untersuchungshaft bleiben muss, werde geprüft, ob sich die Kinder dauerhaft bei dieser Bezugsperson aufhalten oder ob nach einer anderen Lösung gesucht werden muss. Das Jugendamt ist nach Aussage Prößls "noch nie in der Familie involviert" gewesen - "zumindest hat uns niemand etwas gemeldet". (Seite 3)
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