Nach dem Absturz eines A400M will Airbus das Vertrauen in den Militärtransporter zurückgewinnen ...
Vom Quantensprung zum tragischen Pechvogel

Der A400M, hier auf dem Flughafen in Sevilla, hat dem Airbus-Konzern bisher wenig Freude bereitet. Archivbild: dpa
Auch nach dem Absturz eines Militärtransporters A400M will der Luftfahrtkonzern Airbus seine Testflüge mit Flugzeugen dieses Typs fortsetzen. Der Chef der Militärsparte des Unternehmens, Fernando Alonso, kündigte am Montag an, beim nächsten Test in Toulouse werde er selbst an Bord gehen. "Damit will ich beweisen, dass ich volles Vertrauen in dieses Flugzeug habe", sagte Alonso in Sevilla.

Ursache noch unklar

Das Unternehmen habe zusammen mit der spanischen Regierung eine Ermittlungskommission gebildet, die die Ursache des Absturzes am Samstag aufklären solle. Damit wolle man sicherstellen, dass ein solches Unglück sich nicht wiederhole. Bei dem Absturz in der Nähe des Flughafens von Sevilla waren am Samstag vier Besatzungsmitglieder getötet und zwei schwer verletzt worden. "Unser Flugtest-Programm ist nicht unterbrochen", sagte ein Sprecher der Rüstungssparte. Zu Berichten, wonach in der Unglücksmaschine Triebwerke ausgefallen sein sollen, wollte er sich nicht äußern. Mit der Fortsetzung der Tests will der Konzern das Vertrauen in den Militärtransporter zurückgewinnen. Deutschland und Großbritannien hatten entschieden, ihre A400M-Maschinen bis zur Aufklärung der Absturzursache am Boden zu lassen. Frankreich beschränkte die Flüge auf ein Minimum.

Die Hoffnung schwindet

Der A400M, einst ein Hoffnungsträger europäischer Streitkräfte, ist längst zum Pechvogel geworden. Airbus verspricht den Militärs beim A400M nicht weniger als einen technischen Quantensprung. Lasten von bis zu 37 Tonnen kann der Flieger transportieren, weit mehr als andere Modelle. Gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber oder schweres Räumgerät soll er zum Einsatzort bringen, selbst bei voller Beladung kann er mehr als 3000 Kilometer weit kommen, heißt es.

Doch die ehrgeizigen Pläne brachten jahrelange Verzögerungen - und ein Milliardendesaster. Es hakte an allen Enden: den Triebwerken, der Elektronik, an der Stabilität des Rumpfs. Vor fünf Jahren, kurz nach dem Erstflug, brachten Mehrkosten von fünf Milliarden Euro das Projekt fast zum Platzen. Am Ende teilten sich Airbus und die Erstbesteller den Mehraufwand, die Zahl der bestellten Flugzeuge wurde reduziert.

Airbus braucht beim A400M dringend den Erfolg. An den bisher bestellten Maschinen verdient der Konzern keinen Cent. Neue Verzögerungen schlugen bei dem Hersteller 2014 zusätzlich mit mehr als einer halben Milliarde Euro zu Buche. Insgesamt wurden bisher erst zwölf Maschinen ausgeliefert, in diesem Jahr sollten 14 bis 18 hinzukommen. Doch bei den Kunden sorgte die Maschine bislang für Enttäuschung. Das Bundesverteidigungsministerium listete an dem mit vier Jahren Verspätung ausgelieferten Flugzeug 161 Mängel auf.
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