Nach dem Besuch von Merkel und Hollande Hoffnung auf Durchbruch in der Ukraine
Letzter Versuch für die Mission Frieden

Das Foto von den drei lachenden Politikern trügt. Die Lage ist nicht lustig. Sie ist dramatisch. Das Foto bildet schlicht den Moment ab, als der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in Kiew seine so wichtigen Gäste begrüßt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsidenten François Hollande.

Alle freuen sich, dass sie für das Kriegsgebiet Donbass eine Friedensinitiative starten - eine Aktion, die Merkel und Hollande am Freitag auch ins winterlich kalte Moskau zu Kremlchef Wladimir Putin führt. Zum ersten Mal überhaupt seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts ist Merkel in der russischen Hauptstadt.

Als erst Merkel und kurz nach ihr Hollande gegen 18.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MEZ) auf dem Regierungsflughafen Wnukowo-2 landen, sprechen russische Kommentatoren von einem historischen Besuch. "Frau Kanzlerin ist mit deutscher Pünktlichkeit gelandet", hieß es. Sie wolle zwar nicht über Nacht bleiben, müsse sich aber wohl auf lange Verhandlungen mit Putin einstellen. Die Gespräche über eine Waffenruhe für den Donbass laufen zunächt unter sechs Augen an einem Dreier-Tisch.

Alle sind entsetzt über den eskalierenden Konflikt mit den prorussischen Separatisten in der Ostukraine mit täglich neuen Schreckensmeldungen. Kann der Blitzbesuch aus dem Westen Frieden bringen? Ist die Mission der letzte Versuch, einen noch größeren Krieg zu vermeiden - mitten in Europa?

Schon vor ihrer Abreise nach Moskau sagt Merkel in Berlin: "Wir sind davon überzeugt, dass es keine militärische Lösung dieses Konfliktes geben wird. Wir wissen aber auch, dass es völlig offen ist, ob es uns gelingt, eine Waffenruhe zu erreichen durch diese Gespräche." Merkel will vorsichtshalber die Erwartungen dämpfen. Allerdings sind russische Gastgeber bekannt für ihre Großzügigkeit. Merkel betont, Hollande und sie seien "keine neutralen Vermittler". Sie verträten europäische Interessen: "Es geht um Frieden, die europäische Friedensordnung, um ihre Aufrechterhaltung. Und es geht um die freie Selbstbestimmung von Völkern (...). Wir tun das, was wir glauben, was in dieser Stunde unsere Aufgabe ist: Nämlich alles zu tun, um dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten."

Und dann stellte sie noch einmal klar, dass sie nicht, wie es in einem Medienbericht hieß, über Grenzen verhandele: "Als deutsche Bundeskanzlerin werde ich nie über den Kopf eines anderen Landes hinweg - in diesem Fall der Ukraine - mich mit irgendwelchen territorialen Fragen beschäftigen. Das schließt sich aus."
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